Mozarts „Zauberflöte“ begeistert Besucher im Seepark Schwebda

Mozarts Zauberflöte: Hehre Liebe, finstere Rachegelüste

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Volles Haus im Seepark.

220 Jahre nach ihrer Uraufführung sorgten Mozarts weltberühmte Melodien der „Zauberflöte" vor stimmungsvoller Kulisse des Werratalsee für einen der kulturellen Höhepunkte des Jahres.

SCHWEBDA. Der sommerliche Nachthimmel mit seinen dunklen Zeichnungen senkte sich über Leuchtbergen und Werratalsee, da brandete im Seepark Meinhard noch einmal lang anhaltender Beifall auf, dankten stehende Ovationen und verbale Zustimmungen jene Akteuren auf und neben der Bühne, die über zweieinhalb Stunden hinweg rund 800 begeisterten Besuchern die hehre Liebe, finstere Rachegelüste sowie das Streben nach Weisheit und Menschlichkeit näher gebracht hatten. 220 Jahre nach ihrer Uraufführung sorgten Mozarts weltberühmte Melodien der „Zauberflöte“ vor stimmungsvoller Kulisse für einen der kulturellen Höhepunkte des Jahres.

Berühmte und gekonnt vorgetragene Arien und Duette bzw. Terzette in Verbindung mit klangvollen und voluminösen Chören, war es die Prager Kammeroper, die mit kontrastreichen Stimmen und natürlichen Gestus das Publikum in ihren Bann zog.

Nie enden wollende Spielfreude, gepaart mit märchenhafter Leichtigkeit, entführte die Musikfreunde der Region in dien Welt der Königin der Nacht und ihres vermeintlichen Gegenspielers Sarasto (italienische Name für Zarathustra, personifizierter Hüter der Weisheit). Getragen von der überzeugenden musikalischen Leitung von Klaus Linkel, präsentierten Solisten, Chor und das von der Seite agierende Orchester ein Werk, dessen Popularität in seiner Kombination von Fantastischem und Realem noch heute unübertroffen ist. Dazu die weitgefächerten musikalischen Stilmittel, von den heiteren Elementen der Papageno-Szenen (Christian Oldenburg - mal sehnsüchtig, mal vom Selbsterhaltungstrieb geleitet, mal, vorwitzig, mal allzu gesprächig) , die Feierlichkeit von Sarastros (Peter Poldauf) Priesterwelt sowie die nahezu barocke Koloraturdramatik der Königin der Nacht (Olga Jelinkova) und Taminos (Joseph Schnurr) Leidenschaft zu Pamina (Nadja Klitzke) ordneten sich dem dominierenden Gedanken der Humanität unter und fügen sich dem Gesamtwerk in genialer Selbstverständlichkeit ein.

Eher spartanisch, aber dennoch mystisch anmutend, die Bühnenausstattung, die in der einen oder anderen Szene den Besuchern einiges an Fantasie abforderte, sich aber dennoch dem Charakter von Mozarts „deutscher Oper“ anpasste, die ein ganze Reihe unterschiedlicher Musik- und Theaterstile beinhaltet. Durch das umfangreich ausgeführte Kontrastprinzip verdeutlicht die Oper sehr gut den Zeitgeist der Wiener Klassik.

Open Air im Seepark Schwebda heißt auch ab und zu mit den Unabwägbarkeiten der Natur zu kämpfen. So in der Tempelszene zum Ende des ersten Aufzuges, als das gleißende Scheinwerferlicht ein wahres Heer von Mücken anzog, die besonders dem Chor zu schaffen machten, der mit seinen vergeblichen Abwehrbemühungen für eine ungewollte Heiterkeit im Publikum sorgte. Und wenn Papageno gleich zu Beginn Tamino auf seine Frage wo sind wir mit „Natürlich in Meinhard“ antwortet, dann ist auch schnell vergessen, dass der Schlangenkampf des Königssohns eher dem Zweikampf mit Grisu, dem kleinen Drachen aus der italienischen Zeichentrickserie ähnelte.

Nach zweieinhalb Stunden klang- und glanzvollen Musiktheaters, in dem auch die WR-Leser Luca Siepmann und Ursula Ullrich-Witzel als „finstere Gesellen“ des Monostatos (Bohdan Petrovic) ihr Bühnendebüt gaben und ihren Beifall bekamen, war der Sieg der Liebe und der Menschlichkeit perfekt.

Von Dieter Möller

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