Ein Jahr im Amt

Interview: Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill zieht Bilanz

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Blick vom Kochsberg auf Grebendorf: Gerhold Brill ist seit einem Jahr Bürgermeister der Gemeinde Meinhard. Er hat nicht nur alles im Blick, auch seine Bürotür steht jederzeit offen.

Grebendorf. Das erste Jahr liegt hinter ihm: Wir sprachen mit Bürgermeister Gerhold Brill über seine ersten 365 Tage als Rathauschef in Meinhard.

Herr Brill, ein Jahr sind Sie nun Bürgermeister der Gemeinde Meinhard, macht es noch Spaß und haben Sie noch Zeit für Ihre Familie?

Gerhold Brill:  Ja, es macht immer noch großen Spaß. Es gibt wohl keinen anderen Beruf der so vielseitig interessant ist und so nah am Menschen steht, wie der eines Bürgermeisters einer Landgemeinde. Mir und meiner Frau war klar, dass aus der 30 eher eine 60 Stundenwoche würde und auch, dass sich künftig der Familien-Terminplan nach meinen Dienstkalender richten muss. Das Bürgermeisteramt kann man nur zufriedenstellend für die Bürger bedienen, wenn Ehefrau und Kinder voll hinter einem stehen.

 

Meinhard befindet sich derzeit in einer schwierigen finanziellen Situation. Wie wollen Sie die in den Griff bekommen?

Brill:Die Gemeinde hat in den vergangenen 15 Jahren durch Investitionen wie neue Baugebiete, Kanalsanierungen oder Dorferneuerungen über 20 Millionen Euro Schulden angehäuft. Das aktuelle Haushaltsjahr steht nun im Zenit der Anforderungen der Konsolidierung im Rahmen des Schutzschirmvertrages mit dem Land Hessen. In den Jahren 2013 und 2014 wurden diese Ziele mit einem Defizit von 600 000 Euro bereits nicht erreicht. Jetzt stehen wir unter absoluten Vollzugzwang. Durch Einsparungen und Reduzierungen im Sach- und Dienstleistungsbereich unmittelbar nach meinem Dienstantritt und auch im Haushaltsentwurf für dieses Jahr haben wir es geschafft die Betriebsfähigkeit der gemeindlichen Einrichtungen am Laufen zu halten. Die Umsetzung des Haushaltsplanes ist aber von vielen Variablen abhängig, die wir als Gemeinde nicht beeinflussen können. Deshalb sehe ich das Land in der Pflicht, die Gemeinden endlich finanziell so auszustatten, dass diese ihre Pflichtaufgaben auch erfüllen können.

Wo wurde bereits gespart?
Brill: 
Unter anderem wurde Personal abgebaut, die Straßenbeleuchtungszeiten verkürzt, die Kita-Gebühren angehoben sowie Dienstleistungen gestrafft und von externen Anbietern wieder in den Aufgabenbereich der Gemeinde zurückgeholt. Zudem richtet sich ein großer Dank an die vielen Ehrenamtlichen, die jährlich etwa 40 000 Stunden für die Meinharder Gesellschaft leisten.

 

Wie steht es mit Arbeitsplätzen in der Gemeinde Meinhard?

Brill:Über 300 Betriebe halten in Meinhard rund 600 Arbeitsplätze vor. Da sind vom Ein-Mann-Betrieb bis zum Großbetrieb alle Betriebsarten vertreten. Alles in allem ist Meinhard sehr gut aufgestellt. Das Gewerbegebiet in Grebendorf ist ausgelastet, wir unterstützen aber jeden Unternehmer, der sich in Meinhard ansiedeln will, bei der Suche nach einem Standort.

 

Der Werra-Meißner-Kreis leidet unter dem demografischen Wandel. Wie sieht es in Meinhard aus?

Brill:Laut einer aktuellen Statistik der hessischen Landesregierung steht Meinhard in Sachen Bevölkerungsentwicklung gerade kurz vor einer Trendwende. Im vergangenem Jahr hat Meinhard gerade einmal 0,15 Prozent seiner Bevölkerung verloren - das sind sieben Einwohner. Wir nehmen damit innerhalb der 16 Kommunen im Kreis einen mittleren Platz ein. Meine Bemühungen, die Attraktivität der Gemeinde als Wohnort zu steigern, werden nicht nachlassen: Gerade versuchen wir zusammen mit den Pfarrern und Ortsvorstehern eine aktive Nachbarschaftshilfe aufzubauen. Zudem gibt es Planungen für seniorengerechte Wohnungen, um ältere Menschen aus den Ballungsräumen zu uns aufs Land zu locken. Dieses Jahr wurden bereits sieben Bauplätze an junge Familien verkauft - das beweist, dass die Trendwende wirklich da ist.

Von Diana Rissmann

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