Klippenfüchse mit Weitblick

Unsere Heimat von oben (5): Neuerode, der zweithöchste Ortsteil Meinhards

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Auf dem Deutschen Kopf: Ortsvorsteher Bernhard Mensing steht auf dem Plateau am Ortsrand von Neuerode. Auf den Feldern dort wird Braugerste für die Eschweger Klosterbrauerei angebaut, und man hat einen sehr guten Blick auf die Kreisstadt. Im Hintergrund ist Neuerode mit dem Hausberg Meinhardsköpfchen und dem Neuröder Stein zu sehen.

Neuerode. In unser Sommer-Serie gehen wir hoch hinaus: Mit dem Blick von oben erzählen wir aus jeder Kommune im Kreis eine Geschichte: In unserem fünften Teil waren wir im Meinharder Ortsteil Neuerode in der Hessischen Schweiz.

„Von meinem Esszimmerfenster aus kann ich bei gutem Wetter bis zum Kaufunger Wald blicken und den Windrädern dort beim Wachsen zusehen“, sagt Bernhard Mensing. Er ist seit diesem Jahr der Ortsvosteher von Neuerode, dem mit 348 Metern über dem Meeresspiegel zweithöchsten Ortsteil der Gemeinde Meinhard. Den Spitznamen Klippenfüchse haben die Neueröder den prägenden Kalkfelsen rund um den Ort sowie der nachgesagten Schläue der Bewohner zu verdanken.

Rückseite mit Geschichte: Ingesamt zweimal wurde die im Dreißigjährigen Krieg mit der einzigartigen Turmkonstruktion errichtete Kirche in Neuerode erweitert, was vor allem auf der Rückseite des Gebäudes deutlich zu erkennen ist.

Das beschauliche Örtchen liegt, wie die Ortsteile Hitzelrode (384 Meter über dem Meeresspiegel) und Motzenrode (293 Meter über dem Meeresspiegel) in der Hessischen Schweiz und hat einige Aussichtspunkt mit Weitblick zu bieten: dem Mittelgebirgszug Meinhard (491 Meter über dem Meeresspiegel) mit dem Neueröder Hausberg Meinhardsköpfchen im Ausläufer der Gobert und den Neueröder Stein mit den drei angrenzenden Kalkfelsen Wolfstisch, Salzfrau und Pferdeloch, die allerdings vom Ortsteil Hitzelrode am besten zu sehen sind. „Dem Gebirgszug Meinhard kommt eine besondere Bedeutung zu, denn nach ihm ist die Gemeinde Meinhard benannt“, sagt Mensing.

In der Nähe des Neueröder Steins gelegen sind auch die beliebten Wanderziele Willi-Schein-Hütte und die Rudi-Kaulfuß-Hütte im alten Steinbruch. „Dort kann man herrliche Lagerfeuer machen und gemütlich feiern, ein wunderschönes Fleckchen Erde“, sagt Mensing, dem vor allem der Zusammenhalt der insgesamt 450 Einwohner besonders gut gefällt: „Die Dorfgemeinschaft hier oben ist intakt.“

„Die Dorfgemeinschaft hier oben ist intakt.“

Über eine Vereinsgemeinschaft werden in Neuerode 13 Vereine und Einrichtungen vom Heimatverein über die Feuerwehr und den gemischten Chor bis zum Schützenverein organisiert. Zudem würden sich die Neueröder Hand in Hand für die Verschönerung ihres Ortes engagieren. So sei beispielsweise vor zwei Jahren das Pflaster am Friedhof erneuert worden oder werde regelmäßig der Spielplatz gereinigt.

Viele Projekte im Ort

Ein weiteres Projekt sei ein behindertengerechter Zugang zur Kirche. Die gehört neben der Alten Meierei, dem Alten Spritzenhaus, der Alten Schule und dem 1967 gebauten Dorfgemeinschaftshaus, welches mittlerweile zu einem Kulturzentrum ausgebaut ist, zu den zahlreichen Sehenswürdigkeiten im Ort. Das besondere an der Kirche: Sie wurde im Dreißigjährigen Krieg gebaut und im Laufe der Jahrhunderte zweimal erweitert. „Auf der Rückseite sind die verschiedenen Baustile sehr gut zu erkennen“, sagt Mensing. Der 1036 Jahre alte Ort hat auch eine bewegte Geschichte: Eine Begebenheit aus der jüngeren deutsch-deutschen Geschichte ist Mensing ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Kurz nach der Grenzöffnung 1989 organisierten die Feuerwehren aus Neuerode und dem benachbarten Kella in Thüringen eine gemeinsame Wanderung mit Fest zwischen den Jahren.

Allerdings fehlte dafür etwas ganz Wichtiges: eine Straße. „Wir haben eine Sondergenehmigung für einen provisorischen Bau eingeholt und die Straße innerhalb von zwei Tagen am 27. und 28. Dezember 1989 fertiggestellt“, sagt Mensing. So konnte der gegenseitige Besuch stattfinden. „Das ganze Dorf war auf den Beinen“, erinnert sich der Ortsvorsteher.

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