"Nothilfe bringt nichts"

Milchbauern plädieren für Drosselung der Menge

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Zu viel Milch, zu wenig Erlös: Wegen eines Überangebots sind die Milchpreise in ganz Europa derzeit im Keller – und bleiben wohl da, wenn Politik, Handel und Molkereien nichts ändern.

Werra-Meißner. Die 100 Millionen Euro plus X, die die deutschen Milchbauern als Nothilfe zur Entlastung wegen drastisch gesunkener Milchpreise bekommen sollen, werden in Landwirtschafts-Kreisen als ungeeignetes Mittel der Unterstützung erachtet.

„Das hilft keinem Milchviehhalter und bringt gar nichts“, gibt Uwe Roth den Tenor von Betroffenen wieder. Der Geschäftsführer des Kreisbauernverbands Werra-Meißner spricht von einem „Almosen“: 100 Millionen Euro - „das hört sich viel an, ist aber ein Tropfen auf dem heißen Stein“. Er rechnet vor, dass die Hilfe bei 4,3 Millionen Milchkühen in Deutschland 23 Euro pro Tier betrüge - umgerechnet auf einen Betrieb mit 100 Tieren 2300 Euro. Roth: „Das ist jetzt nicht wirklich was.“ Helfen würden ein bis zwei Milliarden Euro, um die Betriebe vor dem Ruin zu schützen.

Allerdings wollten die Landwirte eigentlich kein Geld. Stattdessen sollte sich die Politik wirkungsvoll darum kümmern, die Milchmenge zu reduzieren. Dies müsse wahrscheinlich über die Molkereien gesteuert werden, plädiert Roth für eine Mischung aus staatlicher Lenkung und privater Initiative. Wenn man die Regulierung allein dem freien Wettbewerb überlasse, „dann bleibt der Milchpreis dauerhaft unten“, prognostiziert der Verbands-Geschäftsführer.

Die Milchmenge müsse „drastisch gekürzt werden“ und der Handel mal bei seinem Gewinnstreben zurückstecken, formuliert der im Hessisch Lichtenauer Stadtteil Velmeden ansässige Milchbauer Thomas Küllmer seine Vorstellung, um die verhängnisvolle Spirale der steigenden Milchproduktion wegen weiter fallender Preise zu stoppen.

Europaweit müsse es zu einer schlagartigen Drosselung der Mengen kommen, erläutert Küllmer, der als Vertreter der Milchbauern aus der Region im Beirat des Hauptabnehmers Deutsches Milchkontor (DMK) sitzt. Problem sei, dass alle Landwirte mitmachen müssen, stattdessen aber mehr Kühe anschaffen, um zumindest noch die laufenden Kosten zu decken.

Küllmer schlägt als Ausweg vor, dass der komplette Handel generell zehn Cent mehr pro Liter Milch verlangt und sie direkt an die Molkerei und die Landwirte weitergibt. „Das wäre ein Anfang“, sagt Küllmer. Denn die Produktionskosten je Liter lägen bei 35 Cent. Das DMK zahlt derzeit noch 21 Cent.

Wenn Politik, Handel und Molkereien nicht an einem Strang ziehen, so der Velmeder Milchbauer, dann „gibt es ein ganz böses Elend“.

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