In Schwebda wird gerade das Kanalnetz saniert, ohne dass die Straßen aufgerissen werden

Rohrverleger ohne Bagger

4. Der Schlauch wird über ein Ventil gestülpt und dann so lange aufgepumpt, bis er sich an die Innenwand des Rohres schmiegt.

Einen Kanal zu reparieren, ohne Lärm, Staub und Umleitungsverkehr ist der Wunsch vieler Anwohner. Kommunen setzen deshalb immer häufiger auf das sogenannte Inliner-Verfahren. Was das besondere am Rohr-im-Rohr ist und wie die Technik funktioniert, erklären wir hier.

Schwebda. Wer runter in das Abwasser muss, darin wechseln sich Udo Ferentschik, René Schulz und Björn Begemann reihum ab. „Schacht-Dino“ Ferentschik darf schonmal häufiger oben an der frischen Luft bleiben. Die jüngeren Kollegen gehen eher runter. Die Arbeit im Kanal ist kein Zuckerschlecken. Neben den stinkenden Abwässern ist es unten feucht und eng. „In Deutschland geht es noch, in Holland sind die Schächte nur 60 Zentimeter im Durchmesser“, sagt René Schulz.
Das gutgelaunte Trio gehört zu den Mitarbeitern der Kanalsanierungsgesellschaft von Rainer Kiel aus Kassel. Sie sind im Moment damit beauftragt, Teile des Kanalnetzes rund um den Lindenanger in Schwebda zu sanieren. Per Inliner-Verfahren. Hierbei wird ein Schlauch in das kaputte Kanalrohr gelegt, aufgepumpt und anschließend ausgehärtet. Klingt simpel, ist aber mit viel Technik verbunden.

Mit zwei Siebeneinhalbtonnern und einem Pritschenwagen sind die Kanalarbeiter angereist. In einem Lkw befindet sich das Material, in dem anderen die Technik. Auf dem Pritschenwagen werden die tonnenschweren Schläuche transportiert. Die werden ab Werk zugeschnitten und können notfalls mit einem einfachen Cutter-Messer gekürzt werden. Anstücken kann man nicht. Ob es reicht sieht man erst, wenn der Schlauch im Kanal liegt.

In Schwebda werden insgesamt 180 Meter Kanal mit solchen Inlinern saniert, ohne dass der Boden geöffnet werden muss. 370 Meter Wasserleitung inklusive der Hausanschlüsse werden herkömmlich repariert. Die Gemeinde Meinhard saniert den porösen Kanal in Mauerstraße, Petergasse und Lindenanger sanieren, um zu verhindern, dass weiter Phosphate durch das Grundwasser in den See gelangen. Phosphate werden als ein Grund für das übermäßige Wachstum der Wasserpflanzen angesehen. Am Ostufer des Sees bei Schwebda wurde eine erhöhte Konzentration festgestellt, die aus dem schadhaften Kanalsystem resultieren könnte. „Das ist noch nicht bewiesen“, sagt Meinhards Bürgermeister Hans Giller. Die Sanierung der fast 100 Jahre alten Kanal- und Wasserleitungen hatte die Gemeinde ohnehin geplant.

Rohrverleger ohne Bagger

Die Leitungen sind marode. Das muss auch René Schulz erfahren. Als er in den Schacht vor dem Heimatmuseum einsteigen will, sackt er erstmal einen halben Meter nach unten durch. Die Steigeisen waren durchgerostet. Schulz war aber gesichert und kann jetzt den Schlauch in das kaputte Rohr einlegen. Mit einer Seilwinde wird der Schlauch vom anderen Ende durch den kaputten Kanal gezogen. „Es gibt ständig eine Seilverbindung, weil wir selbst nicht in die engen Rohre gelangen“, erklärt Udo Ferentschik. Anschließend muss Schulz den Schlauch über ein Ventil stülpen, damit er später aufgeblasen werden kann.

Unten im Schacht ist es so eng, dass man sich kaum drehen kann. in den Rohren schwimmen noch Fäkalien. Die Männer sind durch ihre wasserabweisenden Anzüge und die Handschuhe gut geschützt. Trotzdem kommt es vor, dass man mit dem Abwasser in Berührung kommt. Für alle Fälle sind die Männer gegen Hepatitis und andere ansteckende Krankheiten geimpft.

Der aufgeblasene Schlauch wird im letzten Schritt mit einer UV-Lichterkette durchfahren. Das künstliche Licht sorg im Schacht dafür, dass der Schlauch aus Epoxid-Harz zum Rohr aushärtet. An der Oberfläche reicht Tageslicht aus, damit das Material innerhalb weniger Minuten steinhart wird. „Dieses Verfahren hat eine garantierte Lebensdauer von 50 Jahren“, berichtet Diplom-Ingenieur Bernd Schäfer von der Kanalsanierungsgesellschaft. Seit dem Siebziger Jahren wird das Verfahren eingesetzt.

Nachdem das Kanalsanierer-Trio innerhalb einer Stunde wieder einige Meter Rohr ausgebessert hat, ist erstmal Mittagspause. Nicht aber ohne, sich vorher gründlich die Hände desinfiziert zu haben. Im Technik-Truck gibt es dort eine besondere Waschstelle. Ohne die dürften die Männer nicht bedenkenlos ins verdiente Pausenbrot beißen.

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