100 Dinge, die wir an der Region mögen

Abterode: Ein Bär und eine Ruine voll mit Rätseln

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Eingerahmt von zwei Zwergen: die Kirchenruine in Abterode. Das kleine Bild zeigt den Abteröder Bär.

Lieblingsorte, Lieblingserlebnisse und Lieblingsspeisen - die Werra-Rundschau nimmt Sie in der Serie „100 Dinge, die wir an der Region mögen“ mit auf eine Heimat-Entdeckungstour für alle Sinne. Heute stellen wir die Ruine in Abterode vor.

Es ist eine Geschichte, die große Kinderaugen garantiert, wenn die vor dem zu Bett gehen erzählt wird: Die einstige Kirche am Rande von Abterode soll 1809 durch eine Räuberbande zur Ruine gemacht worden sein. „Das ist aber so nicht ganz richtig“, sagt Otto Steinmetz, der sich eingehend mit der Geschichte der Ruine befasst hat. Vielmehr sei die Ruine - was sich nicht so gut zum Geschichten erzählen eignet - allmählich verfallen.

Der Abteröder Bär.

Ein vor allem für Historiker interessantes Rätsel weist die einstige gotische Pfarrkirche aber dennoch auf: Zwischen dem einschiffigen Hauptschiff und dem breiten rechteckigen Chor (eine Bezeichnung für den Altarraum der Kirche), an dessen westlichem Schlussstein eine Rose prangt, klafft eine Baunaht. Das deutet darauf hin, dass beide Teile zu unterschiedlichen Zeiten erbaut worden sein müssen - auch wenn nicht viele Jahre dazwischen gelegen haben können, denn sowohl das Hauptschiff als auch der Chor weisen bauliche Hinweise auf, dass die Kirche im 14. Jahrhundert entstanden ist, auch wenn es dafür an schriftlichen Beweisen fehlt: der Treppengiebel am Turm, die hochgotischen Bogenformen sowie die Luken sprechen für diese Zeit.

Was Steinmetz aber an Daten recherchieren konnte, hat er jetzt selbst schriftlich festgehalten: 1407 soll die Glocke gegossen worden sein, die schon 1544 nach Vockerode verkauft worden sein soll. Knapp 250 Jahre später gilt der Westturm als einsturzgefährdet, laut einem Bericht aus 1822 ist er auch repariert worden. Und auch, wenn die Räuberbande die Kirche laut Steinmetz nicht zur heutigen Ruine gemacht haben soll, war sie mit am Verfall beteiligt: 1809 demolierte sie angeblich die Kanzel, dessen Reste dann illegal von dem Abteröder Ortsvorstand verkauft wurden. Seitdem gab es keine Renovierung mehr: Ab 1835 wird das noch brauchbare Material des Daches abgetragen und anderweitig genutzt, 1847 stürzt der Turmaufsatz ein.

Erst 1920 soll die Ruine dann saniert worden sein, 1975 ganz garantiert: „Der Boden wurde zum Beispiel mit Platten ausgelegt, erst vor acht Jahren ist der obere Teil des Turmmauerwerks ausgebessert worden“, sagt Steinmetz. Seit 2009, mit Beginn des Förderkreises Kirchenruine, finden auch Freilichtkonzerte statt, zudem ist die Ruine ein beliebtes Fotomotiv.

Der Abteröder Bär 

Der Ruine vorgelagert ist der als Abteröder Bär bekannte Kalkfelsen, der seinen Namen seiner Form verdankt. Der Sage zufolge wurde das auch als Todstein bekannte Gebilde von Frau Holle vom Hohen Meißner aus nach Abterode geschleudert. Einst wurde auf dem Gebiet rund um den Bär der Winter zeremoniell verabschiedet und der Frühling willkommen geheißen, heute findet dort ein Osterfeuer statt, bei dem wahrscheinlich auch die Spirituosenspezialität aus dem Ort getrunken wird: den Aperöder Bär.

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