Bewährungsstrafe für 49-Jährige, die fast 200 000 Euro Firmengelder veruntreut hat

„Der größte Fehler meines Lebens“

Berkatal / Kassel. Als Geschäftsführerin einer Zeitarbeitsfirma in Schwalmstadt hatte eine 49-jährige Frau aus Berkatal über 199 000 Euro aus dem Firmenvermögen auf eigene Konten transferiert. Vor dem Kasseler Amtsgericht kam sie gestern mit einer Bewährungsstrafe davon.

Die Angeklagte machte reinen Tisch: „Ich räume die Vorwürfe in vollem Umfang ein.“ Als die Firma 1997 entstand, war die Betriebswirtin dort eingestiegen, zunächst als Bereichsleiterin, später stieg sie zur Geschäftsführerin auf. „Es war eine gute Zeit, alles lief sehr gut“, erinnerte sie sich vor Gericht. Dem Unternehmen ging es so gut, dass es im Laufe der Jahre von fünf auf 200 Mitarbeiter wuchs.

Plötzlich brach die Welt für die 49-Jährige zusammen. Sie wurde schwanger und bekam Drillinge. Sehr bald ging sie wieder arbeiten. Da stellte sich heraus, dass die Drillinge an Autismus leiden. Die Sorgen um die Kinder wurden immer größer. Die Mutter konsultierte Ärzte und erfuhr, von einem Forschungszentrum in den USA, das sich auf die Behandlung von Autismus spezialisiert hat. „Ich wollte, dass meine Kinder die bestmögliche Behandlung bekommen.“ Sie vereinbarte mit der Klinik, dass sie mit den Drillingen dorthin reist. Kaum war der Entschluss gefasst, bekam sie Panik. „Ich fragte mich, ob ich das überhaupt bezahlen kann.“ Als Geschäftsführerin hatte sie die Verfügungsgewalt über die Firmenkonten, und so legte sie mehrere eigene Konten an, auf die sie Geld überwies. Während eines Urlaubs setzte sie sich mit den Kindern in die USA ab. „Ich wollte lediglich meine Kinder behandeln lassen“, beteuerte sie vor Gericht.

Aus freien Stücken kam sie nach Deutschland zurück. Der Entschluss war auch von der Erkenntnis getragen, „dass ich die Sache hier klären muss“. Zurück in der Heimat landete sie in Untersuchungshaft, zwar nur für einen Tag, doch das allein empfand sie als „schockierend“. Heute sieht sie in der Unterschlagung „den größten Fehler meines Lebens“. Ihr Nachfolger sagte als Zeuge, dass die Firma dadurch nicht in eine Schieflage geraten sei, sondern lediglich „einen erheblichen Einschnitt“ verkraften musste. Inzwischen seien um die 20 000 Euro zurückgegeben worden.

Richter Leyhe stufte die Tat als gewerbsmäßige Untreue ein, denn die 49-Jährige habe sich eine Art Nebeneinkommen verschafft. Doch er gestand ihr zu, dass sie sich mit dem Geld „kein luxuriöses Leben“ gemacht, sondern versucht habe, etwas für ihre Kinder zu tun. Vor diesem Hintergrund hielt Leyhe es für gerechtfertigt, die zweijährige Freiheitsstrafe zur Bewährung auszusetzen. (pas)

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