Frankershausen: Das Dorf der Mühlen

Oberdorfer Mühle. Sie wurde 1343 zum ersten Mal urkundlich erwähnt und ist damit die älteste Mühle in der Region. Alle Zeichnungen: Erich Schäfer

Frankershausen. Es wird als das Dorf der Mühlen bezeichnet: Frankershausen. Sechs davon waren einst in Betrieb, heute gibt es kaum noch die dazugehörigen Mühlenräder.

Es klappert die Mühle am rauschenden Bach...“ - Es gibt wohl kaum jemanden, der diesen Anfang eines Volksliedes nicht kennt. Das trifft vor allem auf die Bürger in Frankershausen zu: Dort gibt es einen besonderen Bezug zu Mühlen. Sechs an der Zahl standen dort bis in das 20. Jahrhundert hinein: die Oberdorfer sowie die Schafhöfer Mühle, die Dorf-, Lepper- und Blaumühle sowie die Superintendentenmühle. Dort wird längst nicht mehr gemahlen und an einigen Gebäuden fehlen markante Zeichen wie das Mühlrad. Erinnern möchte die Gemeinde Berkatal dennoch an ihre einstige Bedeutung: Sie überlegt, einen Mühlenpfad anzulegen.

Auf dem würde wohl auch zu erfahren sein, warum sich die Mühlen in Frankershausen so gehäuft haben: Wie der Ortschronik zum 1100-jährigen Dorfjubiläum zu entnehmen ist, liegt die große Anzahl an dem Wasserreichtum in dem Ort. So waren mit Breitenborn und Kressenborn zwei Karstquellen da, die das ganze Jahr hinweg für eine gleich bleibende Wassermenge gesorgt haben, zudem gibt es mit der Berka einen weiteren Fluss, der durch das Dorf fließt. Auch die Mühlenarmut in den umliegenden Dörfern spielte Frankershausen in die Hände.

Das bedeutete jedoch nicht, dass die Auftragsbücher der Mühlenpächter voll waren: Viele Mühlen standen an mehreren Tagen in der Woche still, ein Schriftstück von Johannes Claus Koch aus dem Jahr 1841 zeugt von Unmut: „Die Verdienste, welche ich hiervon habe, sind so gering, dass ich davon, auch bei der größtmöglichen Einschränkung, mit meiner Familie nicht subsistiren kann“, schreibt der Pächter der Leppermühle (die erstmalige urkundliche Erwähnung gibt es 1604), der 1844 in Konkurs gehen musste.

Die leistungsfähigste Mühle

Die leistungsfähigste Mühle war die Schafhöfer Mühle. Die wurde 1592 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, das Mitte des 18. Jahrhunderts entstandene Mühlengebäude ist auch den heutigen Einwohnern Frankershausen bekannt: Das zweigeschossige Fachwerkhaus steht unter Denkmalschutz. Letzter Müller war bis etwa 1970 Herbert Dix, der seine Kundschaft im Meißnervorland, in Albungen und in Kleinvach mit dem Pferdefuhrwerk besuchte.

Was der Lepper- und der Schafhöfer Mühle gemein war: Bei beiden sind viele Besitzerwechsel beurkundet, was unüblich war. In der Regel wurden die Mühlen auf Lebenszeit an einen Müller verpachtet und blieben über Generationen hinweg in der Hand einer Familie. Das war auch bei der Oberdorfer Mühle der Fall: Aufgrund ihrer urkundlichen Ersterwähnung 1343 gilt sie als die am frühesten belegte Mühle in der Region, Sie ist ein Überbleibsel der ehemaligen Siedlung Oberndorf und gehörte dem Kloster Germerode. Noch bis 1973 klapperte das hölzerne Mühlrad, erst dann wurde es durch einen Motor ersetzt. Heute wird dort keine Arbeit mehr verrichtet, die Mühle befindet sich in Privatbesitz und soll wieder hergerichtet werden.

Noch ein erhaltenes altes Mühlrad

So wie die Oberdorfer Mühle wurde auch die Blaumühle von beiden Karstquellen betrieben. Die verdankt ihren Namen nicht der Farbe, sondern wahrscheinlich von bleuen (schlagen). Der Eschweger Stadtarchivar Dr. Karl Kollmann, der sich umfassend mit den Frankershäuser Mühlen beschäftigt hat, vermutet daher, dass dort zu Beginn kein Getreide, sondern heterogenes Material grob gemahlen wurde. Ab wann dort Getreide gemahlen wurde, ist unklar; sicher ist hingegen, dass Johannes Grebenstein Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts dort der letzte Getreidemüller war. Die Blaumühle weist als einziges der sechs Mühlen auch heute noch das alte Mühlrad auf.

Das alte Mühlrad gegen eine Turbine ausgetauscht hat man 1953 an der Dorfmühle, auch auch Kiel- oder Kühlmühle genannt. Sie steht mitten im Ort und grenzte an den Gutshof der von Dörnbergs, sodass Kollmann davon ausgeht, dass beides zusammengehörte. Zum ersten Mal belegt ist die Mühle aber erst im 16. Jahrhundert. Sie wurde noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein betrieben, nach der Aufgabe wurde 1946/47 alsbald das Mühlrad demontiert.

Ganz abgebrochen wurde die Superintendentenmühle 1983 nach einem starken Hochwasser. Die lag am ehemaligen östlichen Ortsrand und war noch bis 1968 in Betrieb, nachdem eigentlich schon im Jahr 1929 das Wasserrecht erloschen war und es für den Betrieb keine Rechtsgrundlage mehr gab.

• Die verwendeten Informationen stammen zum Teil aus der Dorfchronik zum 1100-jährigen Bestehen von Berkatal, zum großen Teil aber von Dr. Karl Kollmann. Der Eschweger Stadtarchivar hat sich mit den Mühlen im ehemaligen Kreis Eschwege befasst und seine Rechercheergebnisse in der zeitschrift „Das Werraland“ veröffentlicht, das vom Hauptvorstand des Werratalvereins herausgegeben wird.

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