Fritz Schindewolf zu Berkatals einzigem Ehrengemeindevertreter gewählt

Zur Ruhe kommt er selten: Fritz Schindewolf aus Frankershausen engagiert sich auf vielfältige Weise ehrenamtlich, ist jetzt Sicherheitsberater für Senioren. Foto:  Wüstefeld

Frankershausen. 35 Jahre lang war er politisch aktiv, dafür ist Fritz Schindewolf aus Frankershausen jetzt ausgezeichnet worden: Fortan darf er sich Ehrengemeindevertreter nennen - als einziger in der Gemeinde Berkatal.

Einfach mal pausieren kommt für Fritz Schindewolf eigentlich nicht in Frage. Vor wenigen Monaten erst hat sich der 74-Jährige aus den politischen Gremien der Gemeinde Berkatal und des Werra-Meißner-Kreises zurückgezogen, da hat er schon eine neue Aufgabe gefunden: Er ist Sicherheitsberater für seine Gemeinde geworden. „Ich muss eigentlich immer was zu tun haben“, sagt der Großvater dreier Enkelinnen und lacht ein bisschen verschmitzt.

Angefangen hat alles 1972. Damals ließ er sich in den Ortsbeirat von Frankershausen wählen, blieb diesem für die damalige Amtszeit von vier Jahren erhalten. „Danach habe ich neun Jahre pausiert, warum, kann ich gar nicht mehr sagen“, erzählt Schindewolf. Vermutlich aber sei der Sportverein Blau-Weiß Frankershausen der Grund gewesen: Dem gehört der 74-Jährige schon seit Ewigkeiten an, hat dort erst selbst Fußball gespielt und war später als Schiedsrichter und Betreuer aktiv. „Ausgezeichnet worden bin ich für mein Engagement dort schon zweimal mit der goldenen Ehrennadel.“

Doch zurück zu Schindewolfs politischer Laufbahn: Nach seiner kurzen Pause ging er für vier Jahre in den Gemeindevorstand und ließ sich anschließend in die Gemeinevertretung wählen. Der gehörte er fortan bis 2016 an und wurde für dieses Engagement von der Gemeinde jetzt zum Ehrengemeindevertreter ernannt worden - der bislang einzige in der Gemeinde überhaupt.

Dass Schindewolf aus dem Gemeindevorstand in die -vertretung wechselte, hatte einen Grund: „Ich hatte das Gefühl, dort mehr entscheiden zu können“, sagt Schindewolf und erinnert sich, dass das mit dem Entscheiden damals sowieso noch besser möglich gewesen sei als heute: „Der Gemeinde war selbst überlassen, etwas umzusetzen.“ Die Diskussionen seien dadurch zweifellos spannender und hitziger gewesen, „heute ist das durch die vielen Vorgaben des Landes und des Kreises gar nicht mehr möglich“. Nichtsdestotrotz habe der 74-Jährige immer versucht, seine Meinung zu sagen: „Dadurch habe ich mir nicht nur Freunde gemacht, aber ich stehe zu meinen Wort.“

An ein paar mehr Worte erinnert sich Schindewolf besonders gern. Die hat er Ende der 90er-Jahre auf dem Sportplatz mit jemandem geführt, der ihm als Mitglied der SPD-Fraktion Friedel Lenze als Bürgermeisterkandidat vorgeschlagen hat. Schindewolf gab die Information weiter, Lenze wurde Bürgermeister: „Damals war das hier eine CDU- und ÜWG-Hochburg, dass dann ein SPD-Mann gewählt wurde, war unfassbar spannend.“

Spannung erhofft sich Schindewolf jetzt auch von seiner neuen Aufgabe als Sicherheitsberater. Als solcher gibt er älteren Menschen Tipps, wie sie sich zum Beispiel vor Betrügern am Telefon schützen können, die sich als die vermeintlichen Enkel ausgeben. „Als klar war, dass ich nicht wieder in der Gemeindevertretung sitzen würde, war mir schon etwas mulmig“, gibt der 74-Jährige zu, „aber dann habe ich mir etwas anderes gesucht.“ Seinen Weg würde er noch einmal so einschlagen, hätte er die Wahl: „Die Arbeit im Kreis und in der Gemeinde hat mich geformt, ich würde das immer wieder so machen.“

Mehr zum Thema

Kommentare