Germeröder kündigt Mieterin fristlos - Und wartet vergebens auf Schlüssel

Wintergarten voller Müll: Rudi B. beschwert sich, dass die Mieterin sein Haus so verdreckt zurückgelassen hat. Sie widerspricht: Die restliche Wohnung wäre leergeräumt, es handele sich nur noch um den Sperrmüll. Fotos: Wüstefeld

Germerode. Es ist ein Streit, wie er verbitterter nicht sein kann: Weil eine Frau ihre Miete über Monate hinweg nicht vollständig bezahlt haben soll, kündigte ihr der Vermieter Rudi B. aus Germerode im Juni dieses Jahres fristlos.

Die Schlüssel hat er nach eigener Aussage dennoch bis heute nicht erhalten, obwohl die Frau längst ausgezogen ist - „gegen die fristlose Kündigung habe ich nämlich Widerspruch eingelegt“, erzählt die Mutter von sechs Kindern, die ihren Namen nicht nennen möchte.

Seine Sicht

Es war der Sommer vor zwei Jahren, als Rudi B. das Nachbarhaus, das ebenfalls ihm gehört, an die Frau vermietet hat. Schnell habe sich das anfangs umgängliche Verhältnis in ein schlechtes verwandelt. „Die Kinder haben zum Beispiel den Zaun beschädigt und die Äste an den Büschen abgebrochen“, erzählt der 81-Jährige. Dabei sei es aber nicht geblieben: Auch die vor dem Einzug neu eingesetzten Fliegengitter wiesen Beschädigungen auf, in das Garagentor wurde eine Beule hineingefahren. Und statt des erlaubten einen Hundes habe sie davon gleich mehrere gehalten, Katzen hätten auch mit im Haus gelebt. Zu guter Letzt seien monatlich auch nur 300 der geforderten 450 Euro an Miete auf seinem Konto eingegangen. Schon zum 30. November des vergangenen Jahres gab es deshalb eine erste Kündigung, „da ist sie aber nicht ausgezogen“. Erst mit der zweiten, fristlosen Kündigung, die unter anderem aufgrund der fehlenden Mieteinnahmen ausgesprochen wurde, sei die Familie ausgezogen - „und hat eine total vermüllte Wohnung hinterlassen“, schimpft Rudi B. Den verwilderten Garten hätte er mittlerweile wieder in Ordnung gebracht, „ins Haus darf ich aber nicht rein, solange sie den Schlüssel nicht abgegeben hat“. Mittlerweile gebe es schon ein Gerichtsurteil, dass die Herausgabe vom Schlüssel beinhaltet.

Ihre Sicht

Die Mutter der sechs Kinder, von denen fünf noch minderjährig sind, gebe den Schlüssel deshalb nicht raus, weil sie der fristlosen Kündigung widersprochen hat, auch wenn sie mittlerweile ein neues Domizil bezogen hat. „Man kann mir nicht mit fünf minderjährigen Kindern fristlos kündigen.“ Erst, wenn ihr Rudi B. eine fristgerechte Kündigung ausspreche, werde sie den Schlüssel abgeben und den verbliebenen Sperrmüll aus der ansonsten leergeräumten Wohnung abholen kommen. „Bereits jetzt ausgezogen bin ich nur, weil ich Angst um die Kinder hatte.“ Gegen die sei der Vermieter handgreiflich geworden, zudem hätte er immer wieder unangemeldet in der Wohnung gestanden. „Irgendwann habe ich das Schloss ausgetauscht.“ Sie hofft, dass das ganze Drama möglichst bald ein Ende hat: „Das waren die schrecklichsten zwei Jahre meines Lebens.“

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