Kreismülldeponie Weidenhausen: Bürger kämpfen für Ökopunkte

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Jahrelange Belastung: Auf der Mülldeponie bei Weidenhausen wurde bis 2005 der Hausmüll aus dem gesamten Kreis abgelegt. Die Bewohner der Gemeinde Meißner kämpfen jetzt dafür, dass der Ausgleich für den jahrelangen Eingriff in die Natur auch vor Ort stattfindet.

Weidenhausen. Der Tenor der mehr als 40 anwesenden Bürger aus der Gemeinde Meißner war einhellig: Einverstanden sind sie mit den Vorschlägen von Andreas Blase, der sich bei der Kreisverwaltung um die Abfallwirtschaft kümmert, und vom Ersten Beigeordneten Dr. Rainer Wallmann so nicht. 

Die hatten am Mittwochabend zu einer Bürgerversammlung eingeladen, bei der es um die Rekultivierung der Kreismülldeponie bei Weidenhausen ging. Weil dort anstatt eines Waldes aufgrund von fehlender Erde nur noch Magerrasen gepflanzt werden kann, der ökologisch nicht so wertvoll ist, entsteht ein Defizit von 1,2 Millionen Ökopunkten, die jetzt in Ausgleichsprojekte investiert werden sollen - die jetzt vorgestellt wurden.

So solle, und damit waren die anwesenden Bürger einverstanden, eine sogenannte Sichtschutzverwallung auf dem Deponiegelände mit einer Bewaldung in Nähe der Kreisstraße errichtet werden. Einziges Problem: Das wäre keine 1,2 Millionen Ökopunkte wert, sondern nur zwei Drittel davon - über das Einsetzen des restlichen Drittels wurde am Abend knapp drei Stunden leidenschaftlich diskutiert. Denn während sich die Kreisverwaltung zusätzlich an der Herstellung eines großen Feuchtbiotops in Niederhone bei der Firma Oppermann beteiligen will, ist die Meinung von Meißners Einwohnern eindeutig: Auch die restlichen Ökopunkte sollen in der Gemeinde, möglichst sogar in der Gemarkung Weidenhausen oder Wellingerode bleiben.

„Wir sind hier durch die Mülldeponie erheblichen Belastungen ausgesetzt“, heißt es immer wieder in den zahlreichen Wortmeldungen, „dafür wollen wir nun den kompletten Ausgleich.“ Zu gutgläubig sei man gewesen, als man auf den Wald als Rekultivierung hoffte, jetzt wolle man nicht auch noch die restlichen Punkte und damit Rekultivierungsmöglichkeiten verlieren.

Helga Först, jahrelang im Gemeindeparlament aktiv, Mitglied der Kreisverwaltung und Einwohnerin Weidenhausens, sprach noch einen anderen Punkt an, für den sie viel Beifall erhielt: Dass es nicht nur um die Sicht gehe, wenn Sträucher und Bäume den Deponiekörper verdecken, sondern auch um Gesundheit. Um die zu erhalten, wäre es gut, wenn der komplette Ausgleich für die jahrelange Belastung den Bewohnern Meißners zugute komme.

Statt einer Beteiligung an einem Feuchtbiotop in Niederhone kam dann während des Abends ein viel beachteter Vorschlag auf, wie doch noch alle Ökopunkte in der Gemeinde bleiben könnten: „Man könnte damit zweckgebundene Rücklagen bilden, die nur dazu verwendet werden dürfen, die bestehenden Biotope in der Gemeinde zu pflegen“, schlug Friedrich Arnoldt vor. Wallmann sprach von einem Vorschlag mit „großem Charme“: „Wir werden testen, ob das rechtlich möglich ist“, versprach er. Beim Regierungspräsidium in Kassel sagte man zumindest schon mal nicht sofort Nein: „Wir wollen ja grundsätzlich auch, dass der Ausgleich in der betroffenen Gemeinde stattfindet“, sagt Pressesprecher Michael Conrad.

So geht es weiter:

Juni 2016: Der Kreisausschuss fällt die Entscheidung, welche Ausgleichsprojekte beim Regierungspräsidium Kassel eingereicht werden sollen

3. September: Die Vorlage muss spätestens jetzt beim Regierungspräsidium liegen

August/September: Beginn der Bauarbeiten mit dem Auftragen einer 50 Zentimeter dicken Tragschicht

Sommer 2017: die Dichtungsschicht (bestehend aus einer Tonschicht und einer Kunststoffdichtungsbahn), die Drainageschicht und der Rekultivierungsboden (1,10 Meter hoch) werden aufgetragen

Sommer 2018: Fertigstellung der Oberflächenabdichtung

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