Mit der Bäckerei Küllmer verabschiedet sich das letzte Lebensmittelgeschäft aus Weidenhausen

Nach 65 Jahren ist jetzt der Ofen aus

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Zwischen Schalke und Gladbach ist immer ein Plätzchen für Sieglinde Küllmer. Zusammen mit Sohn Michael und Ehemann Jürgen hat sie 35 Jahre die Bäckerei Küllmer in Weidenhausen betrieben.

Weidenhausen. In Weidenhausen verabschiedet sich in diesem Monat ein Stück Dorfgeschichte. Mit der Bäckerei Küllmer schließt das letzte Lebensmittelgeschäft in dem Meißner-Ortsteil.

Nach 65 Jahren Firmentradition ist für Sieglinde, Jürgen und Michael Küllmer und ihr Geschäft sowie die Bäckerei Schluss.

Ursprünglich sollte morgen der große Abverkauf beginnen. Der muss jetzt allerdings um eine Woche verschoben werden. Das Ehepaar Küllmer wurde bei einem Autounfall auf der B7 verletzt. Zwischen Bischhausen und Waldkappel kam ein junger Mann mit seinem Auto ins Rutschen und knallte dem Ehepaar Küllmer in den Wagen. „Wir kamen gerade von der Handelskammer in Kassel, wo wir unser Geschäft abgemeldet hatten“, erzählt Sieglinde Küllmer.

Jetzt geht der sogenannte Abverkauf von sieben bis 13 Uhr über die Bühne. Alle von der Bäckerei Küllmer für diesen Tag hergestellten Produkte und angebotenen Waren werden dann im Laden zu Preisen, die um bis zu 70 Prozent reduziert sind, angeboten. Die Lager sind wenige Tage vor dem endgültigen Ende weitgehend leer. Nicht angebrochene Zutaten wurden wieder zurückgegeben. Alles andere wird verarbeitet.

1948 gründete Willi Küllmer die Bäckerei. Damals hat er auch noch Kurzwaren, Porzellan und Lebensmittel angeboten. Nach dreißig Jahren hat er den Betrieb an Jürgen Küllmer und seine Frau Sieglinde abgegeben. Sie haben die Kurzwaren und das Porzellan aus dem Programm genommen. Auf die Lebensmittel haben sie bis zum Schluss gesetzt - als einziger Versorger in Weidenhausen. Es gab Grundnahrungsmittel und Konserven. „In den letzten Jahren wurde das Angebot immer weniger angenommen, weil die alten Kunden verstarben“, sagt Sieglinde Küllmer. Die jungen Leute seien in die Stadt gefahren, um ihre Großeinkäufe zu erledigen. Höchstens wenn sie etwas vergessen hatten, kamen sie in die Bäckerei.

Täglich machte der Küllmer-Verkaufswagen über Jahrzehnte hinweg bis zum Schluss unter anderem in Eschwege, Nieder- und Oberhone, Eltmanns- und Niddawitzhausen, Hoheneiche, Datterode, Reichensachsen, Sontra, Bischhausen, Vockerode, Abterode, Wellingerode und Germerode Station. Sieglinde Küllmer belieferte ihre Kunden mit einem zweiten Lieferwagen.

Über die Grenzen hinaus bekannt war die Bäckerei Küllmer für ihr Himmelfahrtsbrot. Wenn am sogenannten Vatertag die Massen auf die Boyneburg bei Wichmannshausen strömten und das Brot unter die Leute geworfen wurde, dann stammte es aus dem Ofen der Weidenhäuser Bäckerei. Diese Tradition haben Küllmers jetzt - genau wie einen Teil ihrer Verkaufsroute - an die Bäckerei Dilchert aus Wichmannshausen abgegeben.

Jetzt sind Sieglinde und Jürgen Küllmer beide 64 Jahre alt und wollen sich in den Ruhestand verabschieden. Ihr Sohn Michael will nicht weitermachen. Mit den Küllmers geht auch Emmi Rittmüller, die als Verkäuferin seit 25 Jahren fester Bestandteil des Geschäfts ist. Die Großeltern Küllmer werden sich um die Enkeltochter kümmern, Jürgen hat dazu auch Borussia Mönchengladbach, den SV Adler und die Aquaristik ins Herz geschlossen. Langweilig werden wird den Küllmers im Ruhestand nicht. Aber die Kunden werden sie vermissen.

Von Tobias Stück

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