Ein Paradies für Sammlerstücke

Brigitte Leman aus Frankershausen stellt Puppen her, für die ein eigenes Anwesen gebaut wurde

Hat für ihre Künstlerpuppen ein Schlösschen bauen lassen: die 68-jährige Brigitte Leman aus Frankershausen. Mit auf dem Bild ist das Glückskind, das 1992 zur schönsten Puppe Deutschlands gewählt worden ist. Foto:  Wüstefeld

Frankershausen. Es ist eine Welt wie im Traum, die sich dem Besucher in einem der Häuser in Frankershausen eröffnet. Die Realität scheint einen nur durch Watte zu erreichen, die Wahrnehmung fokussiert sich stattdessen auf das Interieur.

Hunderte Puppen sitzen, liegen und stehen in dem hellen und geräumigen Haus, das einen eigenen Namen trägt: Puppenschlösschen. „Das ist extra für sie gebaut worden“, sagt Brigitte Leman, die zusammen mit ihrem Mann den ersten Stock bewohnt, „als Untermieter“. Denn das restliche Schlösschen ist komplett nach den Bedürfnissen von Lemans Künstlerpuppen ausgerichtet: Sie bewohnen den Keller und das Erdgeschoss – in dem sich ein extra Badezimmer für die aufwendig hergestellten Puppen befindet – und sind den Jahreszeiten entsprechend gekleidet: Mützen zieren die kleinen Köpfe, Schals sind um die Hälse gewickelt.

„Die Puppen habe ich alle selbst hergestellt“, sagt die 68-jährige gebürtige Kaufungerin. Allein im Erdgeschoss sind 125 davon verteilt, die Zahl derer, die im Ausstellungsraum im Keller sind, hat sie nicht im Kopf. „Die Namen weiß ich aber alle.“

Das hängt mit der Entstehungsgeschichte der von Sammlern als Kinder bezeichneten Künstlerpuppen zusammen: Gut ein halbes Jahr hat Leman an jeder gesessen, bis sich die Emotionen auf den kleinen Gesichtern widerspiegelten und die Puppen eine Seele eingehaucht bekommen haben. „Hergestellt habe ich sie erst für das Unternehmen Zapf, die zuvor noch gar keine Künstlerpuppen im Sortiment hatten, später dann für die Manufaktur Schildkröt.“ Als eine der Ersten modellierte Leman Puppen mit geöffnetem Mund, „Nuancen unterscheiden dabei zwischen Lachen und Schreien“.

Dieses Feingefühl dafür, echte Emotionen auf dem aus keramischer Modelliermasse entstandenen Gesicht erstrahlen zu lassen, brachte der beliebtesten Puppe von Leman, dem Glückskind, eine Schärpe ein: 1992 wurde es zur schönsten Puppe Deutschlands gewählt.

Damit sich die unzähligen Puppen, deren Vorbilder echte Kinder waren, in ihrem Schlösschen wohl fühlen, ist Leman immer auf der Suche nach besonderen Accessoires: So hat sie eine Leidenschaft für Kinderwagen von Silber Cross entwickelt, „ich habe sogar den Wagen entstanden, den einst die englische Königsfamilie besaß“, freut sich die 68-Jährige.

Für die Zukunft hat sie vor allem einen Wunsch: Dass sich das Puppenschlösschen in Frankershausen eines Tages zu einer Art Museum entwickelt, in der Besucher empfangen werden können. „Wie genau das aussehen soll, werde ich mir jetzt überlegen“, sagt Brigitte Leman.

Kommentare