Herkömmliche Gesangsgruppen verlieren Mitglieder

Projektchöre sind bei Sängern in der Region gefragt

Werra-Meißner. Singen ja, aber nicht in einem Chor mit Vereinsstruktur: Viele Menschen aus dem Werra-Meißner-Kreis sehen sich deshalb nach Alternativen um, wie sie ihrem Hobby trotzdem nachgehen können. Gefunden haben sie die in den Projektchören, die vermehrt angeboten werden.

Kennzeichen der Projektchöre ist, dass nur während eines begrenzten Zeitraums geprobt wird, um auf einen Auftritt hinzuarbeiten – „bei uns ist das der Gottesdienst am Ostersonntag“, sagt Ulrike Hildebrandt aus Frankershausen, die in diesem Jahr zum ersten Mal einen Projektchor ins Leben gerufen hat. Dieses neue Angebot resultiert auch aus ihren bisherigen Erfahrungen mit herkömmlichen Chören: Als Leiterin unter anderem des Kirchenchores in Frankershausen kämpft sie immer wieder um neue Mitglieder, was eher von mäßigem Erfolg gekrönt ist: „Der Nachwuchs fehlt an allen Ecken und Enden.“

Belegt wird das durch die Zahlen der Sängerkreise Mittelwerra und Unterwerra. Die jeweiligen Vorsitzenden Hans Otto Schwarz und Johann Neibel sprechen von einem besorgniserregenden Rückgang: „2003 zum Beispiel hatten wir noch 21 428 aktive Mitglieder, im vergangenen Jahr waren es nur noch 14 024“, sagt Schwarz, vom Sängerkreis Mittelwerra.

Über einen fehlenden Zuspruch an Sängern kann sich Hanna Werner-Balcke nicht beklagen. Die Organistin aus Reichensachsen hat vor drei Jahren einen ersten Projektchor über die Kirche organisiert, seitdem werden die zeitlich begrenzten Übungstermine sehr gut angenommen. „Diese Art kommt dem Zeitgeist entgegen: Viele engagieren sich schon ehrenamtlich und wollen sich dann nicht noch einen festen Termin dazuholen“, sieht die den Grund darin, warum die Projektchöre so gut ankommen. „Und nach einer Pause haben auch alle wieder Lust und sind motiviert.“

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