Rettungsübung in Dunkelheit und Qualm in der Grube Gustav

Abterode. Zum ersten Mal haben einige Feuerwehren der Gemeinde Meißner und die Grubenwehr von K+S zusammen den Ernstfall in der Grube Gustav geprobt: Eine Person wurde in dem Stollen von einem ausgebrochenen Feuer eingeschlossen.

Es sind nur gut 360 Meter, die es in den Berg reingeht - doch die Einsatzkräfte der Grubenwehr brauchen gut eine Stunde, um am Ende des Schachtes anzukommen und mit der Rettung der verletzten und bewusstlosen Person anzufangen. Denn der begehbare Stollen der Grube Gustav bei Abterode ist so dunkel und voller Rauch, dass selbst Taschenlampen nutzlos sind. Lediglich eine Wärmebildkamera lässt die Einsatzkräfte erkennen, was vor ihnen passiert.

Es ist Samstagmorgen, sieben Uhr. Manfred Felmeden, Meißners Gemeindebrandinspektor, versteckt ganz am Ende des Besucherstollens der Grube eine 80 Kilogramm schwere Puppe. „Die Einsatzkräfte nachher sollen hier ja unter realen Bedingungen üben“, sagt er und bringt gleichzeitig die Nebelmaschine in Gang, die den Stollen mit Rauch füllen soll. „Nachgestellt wird so ein Brand.“

Erschwerte Bedingungen also für die 15 Mitglieder der Grubenwehr Hattorf/Wintershall der Firma K+S Kali GmbH, die gemeinsam mit den Freiwilligen Feuerwehren aus Abterode, Wellingerode und Wolfterode eine Rettungsübung nachstellen - zum ersten Mal überhaupt. „Natürlich schaue ich mir die Grube einmal jährlich an“, sagt Dieter Wendrich, der die Grubeneinsätze leitet. Für den Ernstfall sollen sich aber auch seine Kollegen mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut machen. Und so ist es mittlerweile acht Uhr, als zwei Trupps mit je fünf Mann den Stollen betreten - ohne Licht, denn der Strom ist durch den vermeintlichen Brand ausgefallen.

Dass tatsächlich einmal ein Feuer ausbricht, sei aufgrund „der relativ wenigen Brandlasten aber unwahrscheinlich“, sagt Felmeden. Nichtsdestotrotz müsse man auch für solche Fälle gewappnet sein. Und so tasten sich die Einsatzkräfte der Grubenwehr in der Dunkelheit langsam nach vorn, wickeln dabei stetig das Telefonkabel ab, um in Kontakt mit Wendrich zu bleiben, der draußen sitzt und den Einsatz koordiniert.

„Das Telefonkabel ist deshalb wichtig, weil ein Funkkontakt bereits nach 50 Metern abbrechen würde. Wir müssen aber in Verbindung bleiben, weil etwas passieren könnte und wir dann einen weiteren Trupp hereinschicken müssen.“

Dass die Grubenwehr bei einem Unglück überhaupt gerufen werden muss, liegt an den Ausrüstungen der Freiwilligen Feuerwehren vor Ort: Die sind für solche Einsätze zum einen nicht ausgebildet, könnten zum Beispiel bei einem Einsturz keine Angaben darüber machen, wie sich das auf die Statik des restlichen Stollens auswirkt. Zum anderen können die Atemschutzträger nicht so lange in der Grube verweilen wie die Kollegen der Grubenwehr: „Unsere Flaschen haben Sauerstoff für 20 Minuten, die der Grubenwehr für bis zu vier Stunden“, sagt Felmeden.

Er hat mit seinen Leuten vor allem die Aufgaben vor und über der Grube organisiert: Die Wasserversorgung wurde sichergestellt, frische Luft wurde nach dem Löschen des Feuers über einen gut 45 Meter tiefen Belüftungsschacht zu den Rettungskräften und der verletzten Person hinabgeblasen. Die konnte gegen 10 Uhr endlich ins Freie getragen werden - auch zum Glück für Meißners Bürgermeister Friedhelm Junghans. „Es ist schon gut zu wissen, dass wir auf die K+S-Grubenwehr zählen können, sollte tatsächlich einmal etwas passieren.“

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Rettungsübung in der Grube Gustav

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