Mehr Übernachtungen im Kreis

Stiller Tourismus boomt 

Baut eine weitere Ferienwohnung: Hitzerodes Ortsvorsteher Wilfried Speck. Das ehemalige Wohnhaus steht schon seit 40 Jahren leer und wird jetzt in Eigenleistung saniert und umgebaut. Foto:  Wüstefeld

Bei den Touristen steigt der Beliebtheitswert des Werra-Meißner-Kreises. Wie die Tourist-Informationen aus Eschwege und Witzenhausen sowie die Werratal-Tourismus Marketing GmbH (WTMG) einstimmig mitteilen, ist die Zahl der Übernachtungen im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2014 leicht angestiegen.

So zählte die WTMG knapp 725.570 Übernachtungen im vergangenen Jahr im gesamten Kreis, was einem Plus von 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Eigentlich dürfte der Zuwachs aber noch viel höher ausgefallen sein, erklärt WTMG-Geschäftsführerin Claudia Krabbes: „Erfasst werden mittlerweile nur noch Beherbergungsbetriebe, die zehn oder mehr Betten haben." Alle diejenigen, die weniger Übernachtungsplätze anbieten, seien nicht mehr verpflichtet, Zahlen abzugeben. Zudem fließen die auch nur dann ein, wenn mindestens drei meldepflichtige Betriebe geöffnet haben. "Ferienwohnungen, die weniger als zehn Betten haben, fließen also nicht unbedingt in die Statistik mit ein."

Dass die Zahlen tatsächlich wesentlich höher liegen könnten, als die Statistiken wiedergeben, zeigt das Beispiel der Gemeinde Berkatal: Dort gibt es nur ein Gasthaus, in dem auch - in mehr als zehn Betten - genächtigt werden kann. „Trotzdem taucht bei uns in der offiziellen Statistik eine Null auf", sagt Bürgermeister Friedel Lenze. Inoffiziell aber boome es in seiner Gemeinde: So sei der Heimat- und Verkehrsverein auf der Suche nach neuen Ferienwohnungen, weil die vorhandenen zum Teil ausgebucht seien. „700 Übernachtungen habe ich für 2015 gezählt", sagt Vorsitzender Wilfried Speck - 550 davon kommen aus seiner Ferienwohnung. Die hat der heute 60-Jährige in dem Jahr der Grenzöffnung eingrichtet.

„Die läuft mittlerweile richtig gut“, freut sich Speck. 550 Übernachtungen konnte er im vergangenen Jahr verbuchen - hinzu kommen weitere von der Ferienwohnung eines Bekannten, der ebenfalls Übernachtungsmöglichkeiten hat.

Sogar aus Australien, Finnland und Belgien waren schon Gäste da. „Ich biete die Wohnung über das Internetportal www.fewodirekt.de an“, erzählt der Gastgeber. „Das ist zwar kostenpflichtig, aber ohne eine gute Vermarktung geht es nicht.“ Denn mittlerweile würden die Gäste nicht einfach nur ein Bett für die Nacht suchen, auch das Ambiente muss passen - das Speck schon alleine durch die Sauna bieten kann, die zur Wohnung gehört. Honoriert wird das mit vier Sternen, die mit einer Gültigkeit von drei Jahren von der Werratal-Tourismus Marketing GmbH (WTMG) vergeben werden - und von den Besuchern, die dem Familienvater einen vollen Terminkalender bescheren. „In diesem Jahr bin ich bis auf wenige Ausnahmen schon ausgebucht.“

Warum es die Menschen überhaupt zu ihm lockt, ist für Speck klar: „Ich werbe mit dem stillen Tourismus, den man hier erleben kann.“ Natürlich profitiere er aber auch vom Hessen-Fernsehen, das oft Reportagen über die Region bringt, auch würden die vielen Wanderwege wie ein Magnet wirken. „Die meisten Leute machen hier einen Kurzurlaub.“

Dass stiller Tourismus, basierend auf Ruhe und Naturnähe, der Trend für den Kreis ist, bestätigt auch WTMG-Geschäftsführerin Claudia Krabbes. Durchschnittlich würden Gäste 4,2 Nächte bleiben, daran habe sich in den vergangenen Jahren wenig geändert.

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