Studenten verwandeln Gasthaus samt Landwirtschaftsbetrieb in das bekannte Öx

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Bildunterschrift: Vielseitiger Biobetrieb: Das "Öx" entwickelte sich seit 1989. Der landwirtschaftliche Bereich wird heute von Sybille Bucella und Jörg Kaiser geführt, Reinhard Thies (rechts) konzentriert sich auf die Bewirtschaftung der Kneipe.

Frankershausen. Die vier Leute mit den langen Haaren und Ring im Ohr waren im Dorf zunächst die "Ökos" oder auch "Grünos". Und aus den "Öks" wurde schon bald "Öx".

Der Name steht nicht nur für die durch die Kleinkunstveranstaltungen regional bekannte Kneipe, sondern auch für einen landwirtschaftlichen Bio-Hof, der mittlerweile seit 25 Jahren auch "Bioland"-Betrieb ist.

Vier Agrar-Studenten von der Öko-Universität Witzenhausen - Ute Henning, Karl-Heinz Hack, Dirk Hillerkus und Reinhard Thies, die sich aus gemeinsamen Tagen in Ellingerode kannten übernahmen 1987 den alten, kleinen Bauernhof samt Gasthof in Berkatal-Frankershausen, der damals noch "Zum Stern" hieß. Auch anderenorts, so im Nachbardorf Frankenhain, gab es Gaststätten gleichen Namens es kam häufiger zu Verwechslungen. Unter dem Namen "Öx" dann nicht mehr.

"Wir wollten so was machen wie die Fahrenbacher", erinnert sich Reinhard Thies gut. Das Gut Fahrenbach wurde damals seit wenigen Jahren schon ökologisch betrieben. "Wir hatten von Tuten und Blasen keine Ahnung und wussten nicht, wie man ein Fass ansticht, erzählt Thies. Dennoch: Da Organisationstalent und erste Zapfkenntnisse vorhanden waren, übernahmen die Öko-Landbau-Studenten Hof und Gaststätte. Daraus machten sie wieder eine Kneipe, wo man einfach nur so hingehen konnte. Das hatte es jahrelang nicht mehr in dem Dorf gegeben.

Kleinkunst im Saal

Und nachdem es zunächst Techno-Partys und Rockkonzerte gab, nutzte die junge Berkataler Kulturinitiative Hängnichrum ab Anfang der 1990er-Jahre den Saal für regelmäßige Kleinkunst-Veranstaltungen im Winterhalbjahr. Längst hat sich die Kleinkunst in der Kneipe Öx etabliert.

Der Hof mit sieben Bullen im Anbindestall, zwölf Schweinen im Stall und acht Hektar Land wurde nach und nach entwickelt und vergrößert. 1989, mit der Mitgliedschaft bei Bioland, wurde die erste eigene Vermarktung aufgebaut. Schon 2005 war der Betrieb 135 Hektar groß, dazu gehört auch ein weiterer Bauernhof. Mutterkühe kamen hinzu und Schweinehaltung eingeführt. Enten und Puten lösten Gänse und Hähnchen ab, Weihnachtsgeflügel ist längst eine der Spezialitäten vom Öx, sagen Sybille Bucella und Jörg Kaiser.

Das Ehepaar stieg 1990 in den Betrieb mit ein und verwirklichte seinen Traum, in der Landwirtschaft selbstständig zu sein. Zusammen mit Reinhard Thies, der sich im Laufe der Zeit auf die Gastwirtschaft konzentrierte, führen sie seit vielen Jahren den Hof.

Karl-Heinz Hack verließ den Betrieb 1990, Ute Henning zwei, drei Jahre später und Dirk Hillerkus 1997.

Die Vielseitigkeit des landwirtschaftlichen Betriebs Öx, der Schweine, Rinder und Geflügel ab Hof vermarktet und Einzel- und Großhandel in der Region Kassel/Göttingen mit „Bioland“-Produkten versorgt, macht ihn auch für die Ausbildung interessant.

Erst kamen Praktikanten aus Witzenhausen, dann aus russischsprachigen Gebieten, danach Lehrlinge. Derzeit arbeiten zwei Auszubildende im Betrieb. Jörg Kaiser schätzt die Anzahl der Azubis bisher auf bis zu 30.

Das Öx hat sich zu einem anerkannten Biobetrieb entwickelt. Und längst fühlen sich die einstigen Öko-Spinner in der Dorfgemeinschaft integriert.

Naja, Reinhard Thies’ Haare sind ja auch viel kürzer als früher.

Von Stefan Forbert

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