Björn Sippel macht aus Eis Möbelstücke

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Feinschliff: Der Eiskünstler verziert die Sitzfläche des Stuhls mit einem Muster.

Germerode. Björn Sippel ist ein wahrer Meister mit der Motorsäge am Eis. Aus gefrorenem Wasser fertigt er Kunstwerke an. Das geht schneller als gedacht.

Langsam hebt sich der 120 Kilogramm schwere, rechteckige Eisblock mit Hilfe eines Elektrokrans aus der Gefrieranlage. Björn Sippel stellt das jetzt noch etwa minus zwei Grad kalte Eis auf eine Holzpalette, um es in die richtige Arbeitshöhe zu bringen. Noch lässt sich nicht erahnen, dass daraus einmal ein Stuhl wird.

Der Eiskünstler aus Germerode beschäftig sich seit 15 Jahren mit dem gefrorenen Material. Zuerst war es nur ein Hobby, mittlerweile ist seine Leidenschaft zum Nebenberuf geworden. „Früher habe ich nur für den Eigenbedarf kleiner Eisskulpturen hergestellt“, erzählt Sippel. Damals peppte der gelernte Koch Buffets auf, die in seinem Landhotel Meißnerhof in Germerode gereicht wurden. Das Hotel betreibt er zusammen mit seiner Familie.

Peppte Buffets auf

Seitdem ist viel Zeit vergangen und viel Eis geschmolzen. Mittlerweile kann Björn Sippel auf zahlreiche Aufträge und Projekte zurückblicken: Von einer in einem Eisblock eingefrorenen Trompete für einen Musiker, vereiste Verlobungsringe für ein verliebtes Paar über einen 1,50 Meter großen Herkules und sogar das Brandenburger Tor - Sippel hat schon fast alles aus Eis hergestellt. Sein neuester Auftrag: Ein Tisch und zwei Stühle. Der Eiskünstler macht sich also an die Arbeit.

Björn Sippel beim Eisschnitzen

Nachdem der noch unbearbeitete Eisblock in der richtigen Position steht und Sippel die Umrisse eines Stuhls mit einem Meißel in das Eis grob eingekratzt hat, wirft er schwungvoll seine Kettensäge an, die in seiner kleinen Werkstatt ordentlich Lärm macht. Konzentriert macht er die ersten Schnitte. Es formen sich langsam vier Stuhlbeine, eine Sitzfläche und eine Lehne. Schnitt für Schnitt verwandelt sich der kantige Eisblock in ein Möbelstück. Der Stuhl sieht jetzt so gut wie fertig aus - doch er ist es noch nicht.

Nun geht es an die Feinarbeiten. Dafür braucht es spezielles Werkzeug. „Die Meißel, die ich benutze, sind alle aus japanischem handgeschmiedeten Stahl“, erklärt Sippel. „Meistens kaufe ich dieses Werkzeug in den USA, dort ist die Eiskunst verbreiteter und es gibt mehr Auswahl.“ Mit dem speziellen Meißel kratzt Sippel nun verschiedene Muster in den Eis-Stuhl. Wellenlinien auf die Stuhlbeine, ein Schachbrettmuster auf die die Sitzfläche und noch viele andere filigrane Verzierungen.

Nach dem Feinschliff ist der Stuhl aus Eis fertig. „Man kann immer noch mehr an den fertigen Eisskulpturen machen“, sagt Sippel. „Aber dann kann es passieren, dass man nicht mehr aufhört und zuviel Eis wegmeißelt.“

Björn Sippel beim Eisschnitzen

Bis der Stuhl gebraucht wird, kommt er jetzt in einen Gefrierraum, wo es minus zwölf Grad kalt ist. „Die perfekte Temperatur zur Aufbewahrung“, sagt der Eiskünstler.

Von Theresa Ziemann

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