Germerode: Geld der entscheidende Faktor

Barrierefreie Wohnungen: Verein bekommt weniger Subventionen als Gemeinde

So soll es einmal aussehen: Die Ansicht vom Spielplatz zeigt links das alte Lehrergebäude, in dem vier Wohnungen errichtet werden sollen. Im Mitteltrakt sollen in einem weiteren Bauabschnitt neun Wohnungen entstehen. Zwischen den beiden Gebäudeteilen soll es einen Außenaufzug geben, von dem man die Wohnungen erreichen kann. Rechts ist das alte Schulgebäude zu sehen, in dem der Dorfladen untergebracht ist. Zeichnung: privat

Germerode. Barrierefreie Wohnungen für ältere Menschen sind derzeit Mangelware in Germerode. Noch. Denn am Dorfmittelpunkt sollen genau die gebaut werden, wenn es nach dem Verein Dorfzentrum Germerode geht. Der setzt sich seit seiner Gründung 2012 dafür ein, dass das gemeindeeigene, gut 10 000 Quadratmeter große Areal am Neuen Weg in ein generationenübergreifendes Dorfzentrum verwandelt wird.

Die Vision

In einem ersten Bauabschnitt soll das alte, momentan leerstehende Lehrerhaus saniert und mit vier barrierefreien Wohnungen eingerichtet werden, die über einen Außenaufzug zu erreichen sein sollen. In einem zweiten Bauabschnitt soll der Mitteltrakt abgerissen und im Neubau neun weitere barrierefreie Wohnungen gebaut werden.

Das Problem

Hintergrund
2010 wurde eine Machbarkeitsstudie der Gemeinde Meißner mit der Dorfgemeinschaft entworfen, die sich mit dem Dorfzentrum beschäftigte. Die Ziele: einen Nahversorger finden, die Bücherei ausbauen und ein Café errichten sowie barrierefreie Wohnungen schaffen. Auch die Ansiedlung eines Arztes sei gewünscht, „das sei aber schwierig“, sagte Bürgermeister Friedhelm Junghans während der kürzlich stattgefundenen Gemeindevertretersitzung. Dennoch: Der Dorfladen ist 2012 entstanden, betrieben wird der von Martin Stange von der gleichnamigen Landbäckerei. Angegliedert ist ein Café, das über eine Besucherterrasse verfügt. Ebenfalls angesiedelt hat sich ein Frisör. Durch den und den Dorfladen seien sieben Teilzeitstellen entstanden. Als nächstes sollen nun nach Möglichkeit die barrierefreien Wohnungen entstehen. (cow)

Die Kosten des ersten Bauabschnittes liegen bei 633 000 Euro – „zuviel für den Verein“, sagt der Vorsitzende Matthias Schulze. „Wir haben versucht, das Bauvorhaben über Investoren zu finanzieren, jedoch keinen gefunden.“ Schließlich habe man auf Fördergelder gehofft und zwei Töpfe ausfindig gemacht: Einmal von Stadtumbau West und aus dem Leader-Programm der EU. „Hier haben wir mit insgesamt etwas mehr als 400 000 Euro gerechnet, den Rest hätten wir irgendwie stemmen können“, erklärt Schulze die Versuche, das Projekt auf die Beine zu stellen.

Doch der Betrag fällt deutlich geringer aus: Zum einen dürfe nicht der volle Umfang aus zwei Töpfen ausgeschöpft werden, zum anderen werden Vorhaben, die von Vereinen initiiert sind, nur mit 40 Prozent gefördert. „Insgesamt können wir also nur mit knapp 250 000 Euro rechnen.“ Die 150 000 Euro Differenz zu den erwarteten 400 000 Euro seien aber nicht aufzubringen.

Die Lösung

Der Vorstand hat sich an die Gemeinde gewandt. Der Vorteil, wenn die das Projekt finanzieren würde: Sie bekomme nicht nur 40 Prozent von den Kosten gefördert, sondern bis zu 70 Prozent. Diese Unterscheidung bei den Förderungen „sei unverständlich“, sagt Harald Zindel, ebenfalls im Vorstand des Vereins. „Immer wird davon geredet, dass sich die Leute ehrenamtlich engagieren sollen. Und dann bekommt man solche Steine vor die Füße geworfen.“

Die Finanzierung über die Gemeinde habe jedoch einen Haken: Weil die unter dem Schutzschirm steht, ist die Nettoneuverschuldung limitiert. Würde sie das Projekt finanzieren und dafür einen Kredit aufnehmen, wäre der zulässige Wert überschritten. Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses wollen darüber in ihrer nächsten Sitzung Anfang Mai beraten. Zindel und Schulze schlagen einen weiteren Weg vor: Sich an das hessische Finanzministerium wenden und um eine Ausnahmeregelung bei den Schutzschirmbedingungen bitten.

Von Constanze Wüstefeld

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