Germerodes Pfarrer lässt sich öffentlich gegen gespendetes Kleingeld aufwiegen

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Um das Geld für die Renovierung seiner Klosterkirche aufzubringen, ist sich Pfarrer Jan-Peter Schulze für nichts zu schade. Mit originellen Aktionen will er bis Ende November 25 000 Euro für die Renovierung der Kirche aufbringen.

Germerode. Mehr als 800 Jahre alt ist die romanische Klosterkirche von Germerode, doch jetzt drängt Pfarrer Jan-Peter Schulze die Zeit.

Der Innenraum der Kirche muss dringend renoviert werden und dafür muss die Gemeinde bis zum 30. November dieses Jahres 25 000 Euro an Spenden aufgebracht haben. Nur wenn die Kirchengemeinde dabei Kreativität und Initiative zeigt, gibt die Kirchenerhaltungsstiftung des Kirchenkreises Eschwege weitere 25 000 Euro dazu und auch nur dann kommen 60 000 Euro von der Landeskirche.

Wuchtig und wehrhaft: die im 12. Jahrhundert erbaute romanische Klosterkirche in Germerode.

Ein ehrgeiziges Ziel für eine Kirchengemeinde, die gerade mal 800 Mitglieder zählt. „Es müssen Spendenaktionen her, die möglichst originell sind“, sagt der Pfarrer. Und so wird er am 9. September anlässlich des Tag des offenen Denkmals seine eigenes Gewicht unter dem Titel „Wie viel Kleingeld wiegt ein Pfarrer?“ in die Waagschale werfen. „Das kann teuer werden“, sagt Schulze, der gut hundert Kilo auf die Waage bringt.

Mit Ortsvorsteherin Ulrike Zindel hat er eine Wette abgeschlossen. Wiegt das Kleingeld, das Zindel aus Spenden zusammengetragen hat, mehr als der Pastor, muss der 250 Euro aus eigener Tasche spenden und für jede Ein- und Zwei- Euro-Münze ein Zehn- und Zwanzig-Cent-Stück drauflegen. Ist der Pfarrer schwerer als das Kleingeld, muss Zindel 250 Euro spenden und will außerdem noch jede Ein-, Zwei- und Fünfcentmünze verdoppeln. Das Auswiegen von Geld und Pfarrer findet am 9. September um 15.30 Uhr öffentlich in der Klosterkirche statt.

Doch auch kleine andere Initiativen sollen helfen. Einnahmen aus einem Sonnenblumenfeld, das der Bauernstammtisch des Dorfes angelegt hat, ein Kalender mit Fotos der romanischen Kirche, ein Bastelbogen. Hinzu kommt noch eine Schrottsammelaktion „Geben Sie uns ihr altes Eisen“.

Doch allein 4000 Euro an Spenden für die Renovierung der Kirche kamen seit dem 1. Juni bereits aus den Reihen des Freundeskreises der Klosterkirche. „Da haben Leute gespendet, die sonst in der Kirchengemeinde gar nicht weiter in Erscheinung treten, sich aber jetzt verantwortlich fühlen“, sagt Schulze.

Sollte das Spendenprojekt erfolgreich sein, sollen 2013 die gesamte Elektrik der Kirche und der Fußboden im Hauptschiff der Kirche komplett erneuert werden. Beides stammt noch aus den 1950er Jahren und ist nicht nur kaputt, sondern mittlerweile auch gefährlich. In einem zweiten Bauabschnitt soll die Säulenhalle renoviert werden.

Noch Zukunftsmusik und eher Teile einer Wunschliste sind die Restaurierung der Barockorgel, die Restaurierung des Hauptschiffs sowie der mittelalterlichen Malereien im Altarraum und der Krypta.

Von Stefanie Salzmann

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