Eltern zu Gast in Childrencity nutzten letzten Tag des Stadtprojektes zur Besichtigung

„Kinder haften für ihre Eltern“

Krisensicher: Auf der Bank von Childrencity hatte jedes Kind sein eigenes Konto. Foto: W. Skupio

Wolfterode. Eltern sparsamer Kinder konnten am Samstag in Childrencity aufatmen. Schließlich nutzten die Erwachsenen den letzten Tag des Kinderstadtprojektes in Wolfterode (WR berichtete) nicht nur zur Besichtigung der City, auch die zahlreichen Angebote der Kinder konnten genutzt werden.

Weil Euros aber in der Kinderstadt nicht gelten, waren die Eltern erstmals von den verdienten Citydollars ihrer Kinder und deren Großzügigkeit abhängig, wollten sie Crêpes, Kuchen oder Cocktails kaufen. Die Tourigruppe der Stadt, die während der Woche die Freizeitgestaltung der Kinder übernommen hatte, führte in regelmäßigen Abständen Stadtführungen für Erwachsene durch. „Manche Kinder haben genug Geld angehäuft und können nun ihre ganze Familie einladen“, berichtet Caroline Bär, eine von neun Betreuern der Kinderstadt.

Das Projekt ist nicht neu und fand in diesem Rahmen bereits zum zweiten Mal in Wolfterode statt. Kinder leben in einer eigenen Stadt, die zunächst erbaut werden muss. Dort ergreifen sie Berufe, wählen sich eine eigene Regierung und gestalten Regeln für das Zusammenleben.

„Gerade dadurch, dass man sie einfach machen lässt, verstehen sie am Ende des Projektes mehr vom richtigen Leben“, erklärt Bär, die das Projekt als einzige Hauptamtliche betreute. Sogar die Wahl der Regierung sei unklar gewesen. Einige Kinder hätten auch gern in einer Monarchie gelebt, so Bär. Am Ende aber wählten die Kinder ein Mädchen und einen Jungen zum Bürgermeisterpaar, denn nur das sei gerecht. Und Gerechtigkeit ist eine Regel in der Kinderstadt, wo Erwachsene nur zu Gast sind. „Bei uns haften Kinder für ihre Eltern“, ruft ein Mädchen und lacht. Ein Beispiel für die Aufgewecktheit der Jüngsten. „Ich bin selbst immer wieder überrascht, wie viel die Kinder schon wissen“, sagt Bär.

Als es darum ging, ob und wie viel Steuern die Kinder in Childrencity zahlen sollen, reagierte ein Stadtbewohner auf den Vorschlag, doch gar keine Steuern zu zahlen, mit der Frage: „Willst du etwa einen auf Uli Hoeneß machen?“. Nächstes Jahr soll es wieder eine Kinderstadt in Wolfterode geben. „Das Dorf ist ideal für das Projekt“, sagt Bär.

Von Wolfram Skupio

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