Bewegung im Berg im Frühjahr verlangsamt - Gutachter: Derzeit keine akute Gefahr

Meißnerrutsch gebremst

Der Keudellbrunnen am Schwalbenthal ist von den Erdbewegungen am Meißner besonders betroffen: Am Mauerwerk in unmittelbarer Nähe klaffen Risse mit einer Breite von mehreren Zentimetern. Foto: D.S.

Meißner. Die akute Gefahr eines großflächigen Abrutsches am Osthang des Meißners besteht nach Auffassung des Gutachters Bernd Müller derzeit nicht. Müller widersprach damit Äußerungen des stellvertretenden Bürgermeisters von Meißner, Hans-Dieter Müller, der in einem Gespräch mit der Werra-Rundschau diese Befürchtungen geäußert hatte.

„Ein Supergau“ kann nicht passieren. Von der akuten Gefährdung sind der Keudellbrunnen und das Haus Schwalbenthal betroffen. Die Landesstraße 3242 wird erst sekundär in Bewegung geraten und schlimmstenfalls mit der Rutschungsstirn bis zum Rand der L  3241 gelangen“, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme von Gutachter Müller. Insbesondere seien nach Angaben von Meißners Bürgermeister Friedhelm Junghans weder das Jugenddorf Meißner noch das Feuerwehrheim gefährdet.

Erstmals nannte Gutachter Müller genaue Angaben über die Bewegung im Berg.

Danach verschob sich • der Berg hinter dem Haus Schwalbenthal um 6,6 Zentimeter • das Erdreich auf dem Wanderweg oberhalb der L 3242 um 1,7 Zentimeter • die Mauer zwischen Keudellbrunnen und Haus Schwalbenthal um einen Zentimeter • die rückwärtige Küchenwand des Hauses Schwalbenthal um neun Zentimeter.

Die Bewegungen gingen kontinuierlich weiter und würden sich trockeneren Jahreszeit wieder verlangsamen“, heißt es in der Stellungnahme des Gutachters. Die Geschwindigkeit der Bewegungen hatte zunächst von Januar bis April 2013 zugenommen.

„Die derzeitige Schädigung des Bauwerkes ist bereits enorm und macht es unbewohnbar.“

Bernd Müller

In seine Stellungnahme nennt Gutachter Müller noch einmal die Hauptfaktoren, die zu der Bewegung im Meißner geführt haben: Die Flutung des Kalbesees, die dauerhaften Schwelbrände der noch vorhandenen Braunkohle mit Abbrüchen an der Basaltsteilstufe, die Durchtränkung der Rutschmassen durch Kalbesee- und Niederschlagswasser sowie hangabwärtsgerichtete Bewegungen einiger Teilschollen seit 2006 .

Das Haus Schwalbenthal sei davon am meisten betroffen. Die Gefährdung der langsamen Bewegungen bestehe darin, dass einerseits der Keudellbrunnen-Ausbau zerstört wird und sich das zufließende Wasser neue Wege suchen muss sowie andererseits, dass das Haus Schwalbenthal derartig verdrückt werde, dass letztlich ein teilweises Einfallen von Gebäudeteilen absehbar sei. Gutachter Müller: „Die derzeitige Schädigung des Bauwerkes ist bereits enorm und macht es unbewohnbar.“

Von Dieter Salzmann

Kommentare