Sparprogramm des Landes Hessen Thema bei politischem Aschermittwoch der SPD

„Schirm verprügelt uns“

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Eine klare Sprache, wohin der Weg gehen soll, forderte Helga Först. Karlheinz Giesen warnte vor dem Prügelschirm.

Weidenhausen. Mit einer Anekdote über seine Großmutter aus dem Ruhrpott, die ihren Regenschirm nicht nur zum Schutz vor Niederschlag mit auf den Fußballplatz nahm, sondern ihn bei Unmut auch zum Schlagen benutzte, eröffnete Karlheinz Giesen, Ortsverbandsvorsitzender der SPD Meißner, den traditionellen politischen Aschermittwoch der SPD in Weidenhausen.

„Ich habe das Gefühl, dass uns der Schirm, der uns angeblich schützen soll, stattdessen mächtig verprügelt“, zog er die Parallele zur Schutzschirm-Politik des Landes Hessen.

Lothar Quanz und Dieter Franz ehrten Joachim Siegmann für 25 Jahre Mitgliedschaft und Engagement in der SPD mit der silbernen Ehrennadel.

Auch Helga Först, Kandidatin für den Kreistag, schlug in ihrer Begrüßungsrede ernste Töne an: „Ich will nicht hören, dass wir Politiker ja eh unser eigenes Ding machen; wir sind von euch gewählt und haben uns zum Ziel gemacht, eure Interessen zu vertreten“, machte die selbsternannte Politikerin zum Anfassen deutlich, die sich gegen die herrschende Distanz zwischen Politikern und Bürgern aussprach. „Ich möchte nicht ‚die da‘ genannt werden, ich möchte, dass die Menschen wissen, wer ich bin und dass ich mich für sie einsetze“, sagte Först. Wünschte sie sich auf der einen Seite mehr Anerkennung und Respekt für das Geleistete, gab sie andererseits auch zu, dass sie als Kommunalpolitiker wieder besser vermitteln müssten, „dass wir einer von euch sind“. „Mit einer klaren Sprache müssen wir deutlich zeigen, wo der Weg hingehen soll und was wir bereits durchgesetzt haben“, betonte Först. Um gemeinsam zum anderen Ufer rudern zu können, werde noch mehr Kampfgeist und Idealismus benötigt.

Die Landtagsabgeordneten Dieter Franz und Lothar Quanz zeigten sich im Ausblick auf das Superwahljahr optimistisch. „Ich habe den Ehrgeiz, in Berlin sowie in Wiesbaden nicht nur einen Regierungs- sondern auch einen Politikwechsel durchzuführen“, sagte Lothar Quanz kämpferisch. In einem lockeren Dialog stellten sich die beiden Politiker gegenseitig Fragen wie beispielsweise, ob die SPD im Superwahljahr, das gleichzeitig 150. Jubiläumsjahr der Partei ist, noch fit sei. Die Frage, warum Dieter Franz die SPD wähle, beantwortete dieser mit vier Stichworten: „Bildung, Familien, Arbeit und Gerechtigkeit, der, dem diese Begriffe wichtig sind, kann sein Kreuz nur bei der SPD machen.“

Bei einem ehemaligen Gymnasiallehrer wie Lothar Quanz drängte sich bei Dieter Franz die Frage auf, wie er zur G8-Politik stehe: „Die Lehrzeit in einer so wichtigen Entwicklungsphase zu verkürzen und gleichzeitig mehr abzuverlangen war eine Fehlkonstruktion“, sagte Quanz und sprach sich an dieser Stelle ebenfalls gegen das neue Kinderförderungsgesetz aus. Mit großem Vorsprung in seinem Wahlkreis das Direktmandat bekommen zu haben nannte Dieter Franz als seinen größten Erfolg. Stefan Raab wählte Lothar Quanz als möglichen Begleiter für eine Weltreise aufgrund des gemeinsamen Bezugs zum Metzger-Handwerk und Dieter Franz wählte seine Frau und seinen Hund als Genossen auf einer einsamen Insel.

Von Gudrun Skupio

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