Datterode: Autor Friedrich Christian Delius beeindruckt bei Lesung im Marktwert

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Ins Gespräch vertieft: WR-Geschäftsführer Markus Pfromm (rechts) entlockte Friedrich Christian Delius pointierte Aussagen zur aktuellen Befindlichkeit der Deutschen.

Datterode. Er gilt als der Chronist der deutschen Befindlichkeit, Friedrich Christian Delius, als Autor, der mit spitzer Feder den kritischen Gedanken nicht fürchtet. Ein Versprechen, das der in Berlin lebende Autor im Bürgersaal des Marktwertes in Datterode bis aufs Komma einlöste.

Sein Thema war die Heimat, die ein Mensch, bewusst oder unbewusst, in den Mittelpunkt seines ganz persönlichen Weltbildes rückt.

„Heimat“, hielt Gastgeber Thomas Beck am Ende der beeindruckenden Lesung fest, „ist gegenwärtig so aktuell wie nie zuvor.“ Und das vor allem deshalb, weil die weltpolitischen Ereignisse bis in jedes einzelne Dorf vorgerückt sind. Der Heimatverein Datterode war zu Recht stolz darauf, es geschafft zu haben, mit Friedrich Christian Delius einen literarischen „Brocken“ einzuladen, wie sein Vorsitzender ihn vorstellte. Entsprechend groß war das Interesse; in den Bürgersaal hätte keine Maus mehr hineingepasst. In der konzentrierten Stille malte Delius ein Gemälde seiner Heimat mit Worten. Und die ist den Datterödern sehr nah, nicht nur weil Delius Vorfahren in Datterode hat, nicht nur, weil er nach eigener Auskunft in Röhrda gezeugt wurde, sondern auch, weil Wehrda im Haunetal auch Datterode hätte sein können.

 In der gleichen Heimat spielte seine zweite Geschichte über Konrad Zuse, der in der Provinz an der Fulda bereits das vorweggenommen hatte, was Bill Gates später in den USA aufbaute. Nur, dass Zuse in seiner Bescheidenheit nicht die gleiche Aufmerksamkeit zuteil geworden war. Er war Pionier der Computertechnik – nur ohne das entsprechende Marketingkonzept. Deutlich wurde in diesem Text Delius’ Kraft als politischer Autor, die Markus Pfromm, Geschäftsführer der Werra-Rundschau, anschließend unter die Lupe nahm und seinem Gegenüber pointierte Aussagen zu gegenwärtigen Befindlichkeit der Deutschen entlockte. Unsere Heimat heißt es nun mit anderen zu teilen, und das fällt manchen Gruppen recht schwer. „Jede Gesellschaft hat einen gewissen Prozentsatz von Idioten“, sagte Delius ohne Scheu. „Die Pegida-Anhänger haben den Grundsatz unseres Staates nicht begriffen. Es wird um diese verhältnismäßig kleine Gruppe auch zu viel Aufhebens gemacht.“ Dafür gab es viel Applaus in Datterode.

„Jetzt bezahlen wir für das, was in der Politik in den Jahren zuvor versäumt wurde“, sagte er weiter. Denn auch dass die Europäische Gemeinschaft durch ihr wirtschaftspolitisches Handeln selbst eine Fluchtursache darstellt, ließ Delius nicht unerwähnt. Und während in Berlin noch gestritten wird, wird in jedem einzelnen Dorf die Krise aktiv bewältigt, um in der Heimat Schutzsuchenden eine neue Heimat zu schaffen.

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