Bildband von Fotograf Roland Kopp ab sofort erhältlich

Eine Liebeserklärung an Rambach

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Eine Liebeserklärung an Rambach

Rambach. Die preisgekrönte Abschlussarbeit des Fotografiestudenten Roland Kopp über den Ort Rambach  erscheint nun, 30 Jahre nach ihrer Entstehung, als Bildband.

Es ist September 1980. Deutschland ist durch eine Mauer geteilt, über die Fernsehbildschirme flimmert die Nachricht vom Bombenattentat auf dem Münchner Oktoberfest. Der Kasseler Kunststudent Roland Kopp fährt zu dieser Zeit mit seinem Auto quer durch Nordhessen, im Radio läuft „Upside Down“ von Diana Ross. Was er sucht, weiß der damals 27-Jährige nicht genau – nur, dass dieser Ort anders, fern jeder tagespolitischer Aktualität, sein muss. Hier möchte er Fotografien für seine Abschlussarbeit anfertigen.

Kopp ist im Raum Eschwege unterwegs, entdeckt Wanfried, zögert in Weißenborn, fährt immer weiter – und findet schließlich Rambach. „Bei der Fahrt durch die Ortschaft drängte sich mir das Pittoreske auf: verwinkelte Häuser in engen Gassen, bewachsene Hausfassaden und Ställe“, sagt Kopp rückblickend. „Da, wo sich der Einblick in die kleinen Höfe öffnete, ließen sich Details aus früheren Jahrzehnten finden, die dem Verfall ausgeliefert waren.“ Kopp will der Frage auf den Grund gehen, welches Leben sich hier abspielt. Er hat seinen Ort gefunden.

Der Student stellt sein Auto am Dorfrand ab und streift durch den Ort. Bis heute erinnert er sich an erste, neugierige Begegnungen mit den Rambachern, die er nach einer Mietwohnung befragt. Wortgetreu gibt er die Dialoge wieder: „Gehen Sie doch mal zu Frau Fr., da könnte vielleicht was frei sein. Aber sagen Sie ih r nicht, ich hätte Sie geschickt. Verstehen Sie das?“  - „Nein, warum?“ - „Ach, sonst bekomme ich den Vorwurf, was kümmerst du dich eigentlich um meine Angelegenheiten und erzählst Fremden von mir.“ 

Kopp ist erst wenige Stunden im Ort, hat aber bereits längere, angenehme Gespräche geführt. Er beginnt, sich wohlzufühlen, entdeckt ein kleines Häuschen an der Rosengasse und entscheidet sich, es zu mieten. Vier Jahre seines Lebens wird er hier verbringen. Die letzten beiden finanziert er aus Mitteln eines Stipendiums der Alfred-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung, das der talentierte Student inzwischen bekommen hat. Sein persönlichstes, vielleicht prägendstes und wichtigstes Fotoprojekt entsteht.

Über die Jahre integriert er sich immer besser in die Dorfgemeinschaft, lernt den Dialekt, fotografiert sensible Porträts, welche die Rambacher bei ihren alltäglichen Tätigkeiten zeigen: „Bei dieser Gelegenheit kann ich doch gleich ein Foto von Ihnen machen“, fragt er beispielsweise Frau H., die er beim Rübenziehen auf dem Acker entdeckt. „Och nein, so, wie ich aussehe, angezogen bin und dazu mein krummer Rücken.“  Kopp macht Landschaftsaufnahmen und dokumentiert authentisch bauliche Veränderungen im Ort: Da muss etwa das Wohnhaus einer alten Hofanlage plötzlich einem Neubau weichen.

Kopps Bilder sind unmittelbar, betroffen und intensiv. Tagsüber ist er mit seiner Mamiya C330 im Ort unterwegs, in der Nacht entwickelt er die Fotos in der Dunkelkammer seines Hauses. 150 Rollfilme verarbeitet er, insgesamt entstehen in seiner Rambacher Zeit 1800 Bilder.

Rambacher Arbeit ist preisgekrönt

Kopps Abschlussarbeit „Eine fotografische Beschreibung der Dorfgemeinde Rambach“ wird 1985 als außergewöhnlich gute Studienabschlussarbeit mit dem Prinz-Ludwig-Preis ausgezeichnet. Kopp macht sich fortan einen Namen als Vertreter der Stilrichtung Autorenfotografie.

Die Werke des heute 62-Jährigen werden in mehreren Ausstellungen präsentiert, unter anderem 1984 unter dem Titel „Porträt eines Dorfes“ in Eschwege sowie 2003 im Museum Folkwang in Essen unter dem Thema „Zeitgenössische Deutsche Fotografie.“ Im vergangenen Jahr finden die Bilder des gebürtigen Einbeckers schließlich Eingang in die Ausstellung „Schöne Neue BRD? Autorenfotografie der 1980er Jahre“ im „Museum für Photographie“ in Braunschweig.

Bildband ab sofort erhältlich

30 Jahre nach der Entstehung der fotografischen Arbeiten Roland Kopps ist nun der Bildband „Rambach. Dorfleben im nordhessischen Bergland 1980 bis 1984. Fotografien von Roland Kopp“ vom hessischen Freilichtmuseum aufgelegt worden. Präsentiert werden 160 der insgesamt 1800 in Rambach entstandenen Bilder.

Dem Katalogteil stellt Kopp einen kurzen Aufsatz aus dem Jahr 1981 voran. Darin schildert er seine ersten Begegnungen mit Rambach. Vor allen Dingen die Szenen, in denen er Leute im Dorf kennenlernt, spielen eine wichtige Rolle. Zeitgleich zur Veröffentlichung des Bandes werden die Fotografien ab Sonntag ein Jahr lang im Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach (Hochtaunuskreis) ausgestellt.

In der Region ist der Bildband ab sofort zu einem Preis von 19,80 Euro bei folgenden Verkaufsstellen erhältlich Dorfgemeinschaftshaus Café Landlust in Rambach, Bürgermeisteramt Weißenborn  sowie bei der Buchhandlung Heinemann in Eschwege.

Von Emily Spanel

Liebeserklärung an Rambach: Der Fotograf Roland Kopp

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