Berlinerin Rachel Ring begibt sich in Netra auf die Spuren ihrer jüdischen Ahnen

Fotografien für den Vater

Am Grab der Ahnen: Rachel Ring, die von ihrem Lebensgefährten begleitet wurde, nimmt Bilder von der letzten Ruhestätte ihrer Vorfahren auf dem jüdischen Friedhof zu Netra auf. Foto: Beck

Netra. Zeugen einer hochemotionalen Begegnung sind jüngst die Mitglieder des Heimatvereins Datterode geworden: Die Berlinerin Rachel Ring hatte den Weg von ihrem Wohnort in den Ringgau auf sich genommen, um sich auf die Spuren ihrer jüdischen Vorfahren zu begeben. Höhepunkt ihrer Reise in die Vergangenheit war der Besuch des jüdischen Friedhofes zu Netra. „Die Besucherin stand erstmals am Grab ihrer Urgroßmutter Johanna und legte nach jüdischer Sitte einen Stein auf das Grab“, teilte Thomas Beck, Vorsitzender des Heimatvereins Datterode, mit.

Die Fotos, welche von dem Besuch Rachel Rings aufgenommen wurden, will die gebürtige Israelin nun ihrem Vater zukommen lassen. „Dieser lebt noch in Israel“, sagt Beck. Der 80-Jährige habe die strapaziöse Reise selbst nicht mehr auf sich nehmen können.

Wechselvolle Geschichte

Rachel Ring, so haben die Recherchen der Mitglieder des Heimatvereins Datterode ergeben, entstammt der Familie Rothschild. Deren Stammbaum lässt sich in Netra bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen.

„Ferdinand Rothschild, 1908 in Netra geboren, wanderte im Jahr 1934 nach Palästina aus und entkam so der Verfolgung durch den nationalsozialistischen Unrechtsstaat“, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins. Ferdinands Schwester Jenny Rothschild, so Beck, führte derweil bis zu ihrer Deportation eine Pension für jüdische Menschen in Eisenach: „Ein illegaler Zufluchtsort in schwerer Zeit. “ An Jenny Rothschild erinnert ein Stolperstein vor dem Haus Georgenstraße 36 in Eisenach.

Kreis schließt sich

Ferdinand Rothschild heiratete in Palästina Sida Löwenstein, die zuvor aus Fulda immigriert war. Seinen Geburtsort Netra aber besuchte Rothschild nie wieder. „Wer wollte es ihm verdenken, hatten die nationalsozialistischen Mörder doch Vater und drei Brüder ermordet“, sagt Beck.

Mit 77 Jahren verstarb Ferdinand Rothschild 1984. Er hinterließ zwei Söhne und sieben Enkelkinder. Eine dieser Nachkommen ist Rachel Ring, mit deren Besuch in Netra sich der Kreis der Familiengeschichte schloss. (esp)

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