Wilfried Heckmann muss seine Metzgerei aufgrund von EU-Vorschriften aufgeben

Es geht nicht mehr um die Wurst

Die letzte Wurst am Haken: Wilfried Heckmann schließt nach fast zehn Jahren seine Metzgerei in Rambach. Foto: Kiele

Rambach. Seit 48 Jahren ist Wilfried Heckmann Metzger aus Leidenschaft. Jetzt muss er aufgrund von einzuhaltenden EU-Normen seine Fleischerei in Rambach zum Ende des Jahres schließen. „Ich bin echt traurig, manchmal bekomme ich deswegen noch eine Gänsehaut“, sagt Heckmann. Seine Metzgerei ist die einzige in Rambach.

Produktion und Verkaufsraum liegen im alten Milchkühlhaus in Rambach direkt nebeneinander. Zu dicht, laut EU-Normen. Eine Wandabtrennung zum Verkaufsraum hin hat Heckmann bereits vor ein paar Jahren installiert. Auch eine Desinfektionsmatte liegt zwischen dem Verkaufs- und dem Produktionsraum. Doch das reicht nun nicht mehr aus. Um die EU-Normen einzuhalten, müssten zwei separate Räume zur Verfügung stehen und eine Hygieneschleuse eingebaut werden.

„Ich hätte gerne noch ein, zwei Jahre weitergemacht.“

Wilfried Heckmann

Als Heckmann am 1. Juni 2005 seine Metzgerei eröffnete, wurde ihm sein Produktions- und Verkaufsraum problemlos genehmigt. Doch aufgrund der veränderten EU-Normen kann er nun seine Metzgerei nicht mehr weiter betreiben. Der 62-Jährige hat sich dazu entschlossen, nur noch bis Ende des Jahres seine Wurstwaren zu verkaufen.

Gerade das persönliche Gespräch mit Kunden in seinem Verkaufsbereich schätzt Heckmann besonders. Das Persönliche fehle seiner Meinung nach in großen Supermärkten, die meist von Großbetrieben beliefert werden. Ware werde dort zu günstig angeboten. Da sei es kaum machbar, bei diesem Preisgefüge mitzuhalten. In kleinen Metzgereien könne man allerdings immer erfahren, aus welcher Region die Schweine oder Rinder herkommen und wo sie geschlachtet worden sind.

„Das Handwerk muss wieder einen goldenen Boden bekommen“, sagt Heckmann. Den Beruf des Metzgers könne er weiterhin sehr empfehlen. Heckmann ist bereits mit 13 Jahren in die Lehre gegangen. „Es hat mir von der Pike auf Spaß gemacht“, sagt er.

In Eschwege und Weißenborn hat Heckmann als Selbstständiger in der Produktion und im Verkauf gearbeitet und im Jahr 2005 im alten Milchkühlhaus seine Metzgerei eröffnet. „Ich hätte gerne noch ein, zwei Jahre weitergemacht“, sagt Heckmann. An der Außentür seines Betriebes hat sich der Metzger schon verabschiedet. Auf einem weißen Zettel steht: „Danke für ihr Vertrauen und dass sie unser Lädchen in den vergangenen Jahren besucht haben.“

Von Franziska Kiele

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