„Habe sofort mein Herz verloren“

Interview: Wolfgang Schwalm von den Wildecker Herzbuben hat in Weißenborn sein Zuhause gefunden

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Seit zwei Jahren Weißenborner: Sänger und Trompeter Wolfgang Schwalm von den Wildecker Herzbuben. Der Name des Duos war ein Vorschlag seines Gesangspartners Wilfried Gliem.

Als einer der wenigen deutschsprachigen Künstler ist Wolfgang Schwalm als Mitglied des Duos „Wildecker Herzbuben“ wohl nahezu jedem Deutschen im Alter zwischen 8 und 88 Jahren bekannt. In der Gemeinde Weißenborn hat der Sänger, der mit Gesangspartner Wilfried Gliem Auftritte in der ganzen Bundesrepublik absolviert, seine Heimat gefunden.

Das großzügig geschnittene Haus, das Schwalm mit seiner Lebensgefährtin Diana Kühn in Weißenborn bewohnt, wirkt mit seinen akkurat gestutzten Ziersträuchern und bunten Blumenbeeten außergewöhnlich gepflegt. Seit Kurzem plätschert im Vorgarten ein Brunnen, geschmückt mit einer Buddha-Figur, beruhigend vor sich hin. „Den zugehörigen Teich haben wir erst am vergangenen Wochenende ausgehoben“, erklärt Wolfgang Schwalm sichtlich stolz und bittet zum Gespräch in die Küche – familiäre Atmosphäre inklusive.

Herr Schwalm, sie sind seit mehr als einem Vierteljahrhundert in der ganzen Republik unterwegs. Was reizt sie so an Weißenborn, dass Sie ausgerechnet hier ein Haus gekauft haben?

Schwalm:(lacht und zieht genüsslich an einer Zigarette) Weißenborn ist mir seit den 80er-Jahren gut bekannt. 1987 bin ich mit meiner Band Curocas zum ersten Mal hier aufgetreten, damals noch als Begleitband von G. G. Anderson. 1991 kam ich als Wildecker Herzbube wieder. Die traumhaft schöne Umgebung mit den vielen Bergen, die Ruhe und der Zusammenhalt im Dorf faszinieren mich bis heute. Hier fühle ich mich zuhause.

Ein Haus wie Ihres ist aber sicher nicht leicht zu finden.

Schwalm: Vor zwei Jahren, ganz genau am Pfingstmontag 2013, habe ich die Immobilie im Internet entdeckt und sofort mein Herz an sie verloren (lacht und drückt die Zigarette aus).  ,Das ist es, kein anderes’, habe ich meiner Lebensgefährtin zugerufen. Sofort haben wir uns ins Auto gesetzt und sind losgefahren – ohne Adresse, ohne vorherigen Kontakt zu den Besitzern. Einfach nur, um das Haus in natura zu sehen. Noch im selben Jahr haben wir den Kaufvertrag unterschrieben.

In diesem Moment ist die Spülmaschine durchgelaufen. Statt eines Piepens spielt sie eine Melodie. „Schön, nicht wahr?“ fragt Schwalm.

Die Musik scheint in jedem Bereich Ihres Lebens eine große Rolle zu spielen. 

Schwalm: Das ist richtig. Erst in der vergangenen Woche war ich zwischen Ostfriesland und Brandenburg unterwegs, am Samstag geht es weiter nach Altenburg und zum Hessentag in Hofgeismar. Auch zur 650-Jahrfeier in Weißenborn Ende August werde ich zwei Auftritte haben, das ist für mich Ehrensache. Übrigens wird Weißenborn auch eine tragende Rolle auf dem Cover des neuen Albums von Peter Orloff und die Schwarzmeer-Kosaken spielen.

Inwiefern denn das? 

Zur Person

Wolfgang Schwalm (60) wurde in Görzhain (Schwalm-Eder-Kreis) geboren. Er erlernte die Berufe des Lehrers, des Elektroinstallateurs und Kaufmanns. Gemeinsam mit Wilfried Gliem bildet er seit 1989 das Duo Wildecker Herzbuben, das mit Platin-Schallplatten und der Goldenen Stimmgabel ausgezeichnet wurde. Bei Auftritten trägt Schwalm die Schwälmer Tracht. Er ist liiert und Vater dreier Kinder. (esp)

Schwalm: Im vergangenen Herbst habe ich das örtliche Gasthaus Faber, wo im Übrigen sensationell gutes Essen zu bekommen ist, kurzerhand zu einem Tonstudio umfunktioniert. Das ist keinProblem, denn meine Geräte sind alle portabel. Als Aufnahmeort des Albums wird dann „Whiteborn Studio Faber“ zu lesen sein. Hier waren Peter Orloff und die Schwarzmeer-Kosaken mehrere Tage zu Gast.

Als aufmerksamer Gastgeber stellt Schwalm immer wieder interessierte Zwischenfragen. Zwischendurch serviert er Kaffee, Wasser und Gebäck.

Ihr Erfolg mit „Herzilein“ aus dem Jahr 1989 erscheint aus heutiger Sicht fast unwirklich. Wie denken Sie 26 Jahre später darüber?

Schwalm: „Herzilein“ ist ein großes Geschenk. Heutzutage ist es doch quasi ausgeschlossen, noch einmal einen solch großen Hit zu landen. Auch, weil sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten weigern, deutsche Musik zu spielen. Das finde ich grundsätzlich falsch, ich bin deshalb für eine Quotenregelung, wie sie etwa in Frankreich und Italien schon lange Gang und Gebe ist.

Haben Sie schon einmal eine Sinnkrise gehabt – etwa, dass das mit dem Volksmusikzirkus schon ein Kreuz ist?

Schwalm: Nein, zum Glück noch nie. Ich kann mit nahezu jeder Musikrichtung etwas anfangen, spiele auch gern Trompete, mache die Endbearbeitung unserer neuen Lieder selbst.

Hand aufs Herz: Wie oft haben Sie „Herzilein“ schon gesungen?

Schwalm: Unzählige Male. Aber Spaß macht es immer noch, und die Leute warten auch nach 26 Jahren immer noch gern auf dieses Lied.

Von Emily Spanel

 

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