„Herz hängt an dem Ort“

Belgier bekam im Zweiten Weltkrieg Hilfe von Datterödern

Datterode. Hubert Kirschvink ist für ein Wochenende zurück in dem Ort, den er „immer im Herzen getragen“ hat. Über 300 Kilometer Luftlinie liegen zwischen seiner belgischen Heimat, dem Grenzstädtchen Raeren, und Datterode. Die weite Reise in den Ringgau hat der 77-Jährige gemeinsam mit seiner Ehefrau Rosemarie und zwei nahen Verwandten angetreten.

Sein erster Weg führt Kirschvink zum Datteröder Friedhof: Hier gedenkt der Belgier den Menschen, die er liebevoll „Tante Dora und Onkel Heinrich“ nennt. Victoria und Heinrich Hartmann, so ihr richtiger Name, haben Hubert Kirschvink während des Zweiten Weltkrieges bei sich aufgenommen, ihm Nahrung und ein Dach über dem Kopf geboten. „Diesen Akt der Mitmenschlichkeit“, so Kirschvink, „habe ich nie vergessen.“

Kirschvink erinnert sich an das Jahr 1942. Sein Vater Johann Kirschvink ist als deutscher Soldat verpflichtet worden und kämpft an der Ostfront. Aus Russland schreibt er seiner Frau, dass sie sich und die beiden Söhne Siegfried und Hubert in Sicherheit bringen solle. Die Alliierten seien auf dem Vormarsch, die Städte und deren Umgebung würden bombardiert.

Katharina Kirschvink folgt dem Rat ihres Mannes und reist aus dem Kreis Eupen per Bahn nach Datterode. Hier angekommen, wurden die drei Kirschvinks zunächst bei Familie Reinhard Wolf (Leipziger Straße) und der Familie Sippel (Harmuthsbach) untergebracht, bevor sie zu den Hartmanns kamen. Der damals sechsjährige Hubert besuchte in Datterode auch gleich die erste Klasse der Volksschule. Bis heute erinnert er sich gut an die Örtlichkeiten und Begebenheiten.

So auch an den 3. April 1945, als die US-Armee in das Dorf einrückt und am Eckerbaum zwei deutsche Soldaten erschießt, die gerade in den Wald fliehen. Das Bild der Gefallenen habe er noch heute vor Augen, sagt Kirschvink.

Kontakt hält an

Auch nach Kriegsende riss die Verbindung zwischen den Familien Hartmann und Kirschvink nicht ab. „Das ging so weit, dass man sich zu Familienfesten und im Urlaub gegenseitig besuchte“, sagt der 77-Jährige. Bereits in der dritten Generation stünden die Familien nun schon im freundschaftlichen Kontakt – „in Achtung und Respekt vor denen, die in schwerer Zeit fremden Menschen ein Zuhause boten“, sagt Kirschvink. (esp)

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