Ihr Dank gilt dem Elternhaus

Feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen: Das Elternhaus in Göttingen. Foto: Archiv

Datterode/Bad Sooden-Allendorf. Der kleine Luiz ist schon von Geburt an kerngesund. Nicht selbstverständlich für ein Kind, das sieben Wochen zu früh die Welt erblickte. Klar war von Anfang an aber, dass Luiz noch mindestens bis zu seinem errechneten Geburtstermin, dem 2. November, im Klinikum Göttingen bleiben musste. Weit weg von seiner Mutter Anna Mangold, die in Bad Sooden-Allendorf wohnt und nach der Geburt aus gesundheitlichen Gründen nicht Auto fahren konnte. Dass sie ihren Sohn dennoch täglich sehen und sich um ihn kümmern konnte, verdankt sie dem Göttinger Elternhaus.

Dort wurde die 27-Jährige aufgenommen, direkt, nachdem sie selbst aus dem Krankhaus entlassen wurde. Das war sieben Tage nach Luiz’ Geburt. Da hatte sie längst Überlegungen angestellt, wie sie in Göttingen anderweitig unterkommen könnte, um ihr Kind nicht allein zu lassen. Die Möglichkeit ein Zimmer im Elternhaus zu bekommen, wurde ihr durch das Pflegepersonal im Uniklinikum eröffnet.

Ein Zimmer im Elternhaus bedeutet aber weit mehr als eine Übernachtungsmöglichkeit. Es bietet Angehörigen die Möglichkeit, sich in stressigen Situationen den Rücken freihalten zu lassen. Wer möchte, kann sich zwar in der Gemeinschaftsküche selbst etwas kochen, aber auch Essensmarken in Anspruch nehmen, die an der Uni eingelöst werden können. Wer Gesprächsbedarf hat, kann sich an ein psychosoziales Beratungsteam wenden und einmal wöchentlich findet ein Hausabend statt. Der dient in erster Linie der Ablenkung. Auf dem Programm stehen Spieleabende, gemeinsames Kochen oder auch einfach mal ein Glas Wein in geselliger Runde.

Anna Mangold erlebte in ihren sechs Wochen im Elternhaus ein ständiges Kommen und Gehen. Wie viele andere wusste auch sie nicht, wann es endlich nach Hause geht. „Das ging dann irgendwann von heute auf morgen. Aber es gibt Familien, die bleiben ein Jahr dort“, sagt sie. Mangold hat während des Aufenthalts auch andere Frühchenmütter kennengelernt und sich ausgetauscht. Dass ein Frühchen direkt so fit ist, wie Luiz, kommt nicht oft vor. „Trotzdem war es ein psychisch anstrengender Ritt und ich bin froh, dass es das Elternhaus gegeben hat“, sagt Mangold.

Jetzt hat sich die Familie entschieden, dem Elternhaus 500 Euro zu spenden. Aus Dankbarkeit, denn „eine solche Hilfe und Unterstützung ist nicht selbstverständlich.“

Von Lasse Deppe

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