Manfred Adam: Der Kämpfer für die Autobahn

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Den Ruhestand hat der 62-jährige Manfred Adam genutzt, um ein Buch über die A 44 zu schreiben. Er hat es „Märchenstraßen“ genannt. Darin dokumentiert der Autor den vermeintlichen Unsinn beim Bau der Trasse von Kassel nach Eisenach. Das 600- Seiten-Werk bezeichnet Adam als Roman.

Der Kritiker hat ein freundliches Gesicht. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Denn Manfred Adam steckt voller Wut, auch wenn er niemand ist, der laut oder gar ausfallend wird. 20 Jahre seines Berufslebens hat der Diplomingenieur aus dem Ringgau mit der Planung der Autobahn 44 zwischen Kassel und Eisenach verbracht - bis heute lässt ihn das Projekt nicht los.

Adam, 62, ist ein Überzeugungstäter. Er kämpft für die A 44 - erst als Angestellter beim Amt für Straßen- und Verkehrswesen, dann als Buchautor. „Ich greife den links-ökologischen Zeitgeist an“, sagt er. Dass eine Autobahn 1,7 Milliarden Euro koste, sei ein Unding. 13 Tunnel mit einer Gesamtlänge von 24 Kilometern seien auf der Strecke geplant. „Das ist Wahnsinn für ein Gebiet, das nicht in den Alpen liegt“, sagt Adam. Deswegen seien auch die Kosten so hoch.

Angriff auf die Grünen

Im letzten Jahr hat Adam ein Buch geschrieben, „Märchenstraßen“ heißt der Roman, in dem Adam den aus seiner Sicht ökologischen und ökonomischen Unsinn beim Bau der Trasse aufgreift. Es geht ihm darum, die vermeintliche Verschwendung von Steuergeldern aufzudecken - und die Politik anzugreifen. Denn die Verhinderer und Verzögerer der A 44 kämen aus den Parteien und Umweltverbänden. „Warum sollen die Protagonisten ungeschoren davonkommen?“, fragt Adam. „Die müssen benannt werden.“

Wenn Bundestagsabgeordnete der Grünen heute einen Baustopp der A 44 verlangen, sei das heuchlerisch. Denn erst durch die strengen Umweltauflagen sei die Strecke so teuer geworden. Mit der südhessischen Grünen-Politikerin Daniela Wagner, einer A 44-Gegnerin, lieferte sich der 62-Jährige schon einen heftigen Schlagabtausch. Adam glaubt, dass linksliberales Denken in Deutschland heute dominiere - und damit die Vernunft verdränge. Mit dem links-ökologischen Kartell meint der Buchautor vor allem die Grünen und ihre Verbündeten in den Umweltverbänden wie dem BUND. Der werde auch in Zukunft gegen jedes Teilstück der Autobahn klagen, glaubt Adam. Der Autor mag jedenfalls keine Prognose abgeben, ob die A 44 von Kassel bis Eisenach jemals durchgängig befahrbar sein werde. Es komme darauf an, wie das Bundesverwaltungsgericht die Spitzkehre bei Reichensachsen bewerte. Sollten die Richter in Leipzig die Trasse an dieser Stelle kippen, sei das Projekt tot.

Doch auch wenn die Streckenplanung juristisch Bestand haben sollte: Adam ist sich nicht sicher, ob das für den Bau ausreicht. Denn die staatlichen Kassen sind leer, in der Finanzkrise hat der Bund Milliarden in marode Banken gepumpt. Geld, das heute für wichtige Infrastrukturprojekte fehle.

Seine Kollegen beim Amt für Straßen- und Verkehrswesen jedenfalls konnten schon früher nicht verstehen, warum er sich so in ein Projekt reinsteigere - ohne Aussicht auf Erfolg.

Von Fabian Hartmann

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