Rezepte für die Integration

Flüchtlinge laden Netraer zu Abend der Begegnung ein

Gemeinschaftsarbeit: (von links) Sahin Sahin aus Syrien und Astrid Holzapfel aus Netra sind zwei der Organisatoren des Abends der Begegnung. Tatkräftig mitgeholfen haben Ekkehard Rogée, Ingrid Schröder, Rainer und Silke Marinoni sowie Thomas Holzapfel. Fotos: Spanel

Netra. Die Vielfalt der Aromen ist schier überwältigend: Muskat, Kardamom und ein Hauch von Minze verbinden sich in Netras Gemeindehaus zu einer köstlichen Mischung.

Aus unzähligen Töpfen und Schüsseln steigt der Duft von Kichererbsenbrei, Auberginenmus und eingelegtem Gemüse. Zuckrig-süßes Baklava fehlt genauso wenig wie der Geruch des bitter-starken Kaffees, der ganz traditionell den Abschluss des Festmahls bildet, welches die syrischen Flüchtlinge des Ortes für die Netraer vorbereitet haben.

„Kulinarik stiftet Identität, und Essen kann Heimat sein“, sagt Ekkehard Rogée, einer der freiwilligen Helfer, der diesen Donnerstagabend der Begegnung zwischen Flüchtlingen und Einheimischen organisiert hat. Beim gemeinsamen Genießen der feinen Spezialitäten der arabischen Küche sollen Sprachbarrieren fallen, Gespräche beginnen und das Verständnis füreinander gefördert werden – zwanglos, in familiärer Atmosphäre. Etwa 30 Netraer machen von dem Angebot Gebrauch; im Laufe des geselligen Abends kommen immer mehr hinzu. „Ich freue mich – nicht nur über das Engagement der freiwilligen Helfer, sondern auch über das große Interesse an dem Abend“, sagt Ringgaus Bürgermeister Klaus Fissmann. „Vereint versuchen wir, den Flüchtlingen bei ihrem Start in dem für sie fremden Land so gut wie möglich behilflich zu sein.“

Und nein, leicht sei es tatsächlich nicht, sagt Sahin Sahin, Sprecher der knapp 30 Flüchtlinge, welche für den Abend der Begegnung geplant, eingekauft, gekocht, gebacken und dekoriert haben, in einwandfreiem Deutsch. „Um so dankbarer sind wir, dass wir in Netra mit offenen Armen willkommen geheißen wurden.“

Überhaupt, Netra: Der Ort stelle gerade seine Weltoffenheit unter Beweis, sagt Thomas Holzapfel. Der ehrenamtliche Helfer begleitete den Großeinkauf der Flüchtlinge – „abenteuerlich“, wie er sich lachend erinnert. Fünf Kilo Tomaten, reichlich Zwiebeln, Knoblauch, Olivenöl, Geflügel- und Rindfleisch, Joghurt, Gewürze – verständlich gemacht wurde sich mit Händen und Füßen, im äußersten Notfall mit Hilfe einer Smartphone-App.

Doch zur syrischen Tradition gehört eben auch die Gastfreundschaft – und mangeln sollte es den Netraern an nichts. Traditionen wurden auch in einer Präsentation des vorderasiatischen Staates vorgestellt – denn neben Begegnungen sind Informationen das wirksamste Mittel, um Vorurteile abzubauen.

Von Emily Spanel

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