So schmeckt die Heimat

100 Dinge, die wir in der Region lieben: Die Ahle Wurscht vom Teichhof

Eine ganze Kammer voller Würste: Regina (links) und Edgar Linhose, Inhaber des Teichhofes, zeigen ihre hausgemachten Wurstspezialitäten. Im Hintergrund hängt der Klassiker, die stracke Ahle Wurscht. Foto: Archiv

Grandenborn. Sie ist einzigartig auf der Welt, wird bis nach Kanada geliefert und jeder verbindet sie mit unserer Region: Die Ahle Wurscht oder auch Rote Wurscht. Sie ist eine Rohwurst aus Schweinefleisch mit jahrhundertealter Geschichte.

Der Ursprung dieser Spezialität ist bei den Bauern in Nordhessen zu finden. Als es noch keine Kühlhäuser gab und nur einmal im Winter geschlachtet wurde, entwickelten die Bauern eine Möglichkeit, das Fleisch haltbar zu machen. So entstand die luftgetrocknete oder geräucherte Ahle Wurscht.

In unserer Region gibt es zahlreiche Betriebe, die Ahle Wurscht herstellen. Der Teichhof im Ringgau ist der bekannteste von ihnen, vielleicht sogar der erfolgreichste. Seit 1966 verkauft der Familienbetrieb hausgemachte Ahle Wurscht. „Früher war die Wurst nur ein Nahrungsmittel, das das Überleben der Familien sicherte“, sagt der Geschäftsführer des Hofes, Edgar Linhose. „Heute ist es eine Delikatesse“. Am Anfang glaubte niemand an einen so großen Erfolg. Doch als die Hausschlachtungen in den 60er- Jahren zurückgingen, war die Ahle Wurscht schwer erhältlich und die Nachfrage nach der Wurst vom Teichhof stieg. Der Betrieb schlachtete zunächst selbst, heute wird das Schweinefleisch von ausgewählten Landwirten in der Umgebung bezogen. Doch was macht diese Wurst so besonders?

„Die Schweine werden erst geschlachtet, wenn sie mindestens 150 Kilogramm wiegen. Sie werden natürlich ernährt und so stressfrei wie möglich behandelt“, sagt Linhose. Nach der Schlachtung werde das Fleisch zügig verarbeitet.

Es werde zu Gehacktem gewolft, was besonders schonend sei. Der Teichhof verwende nur traditionelle Naturgewürze wie Salz, Pfeffer, in Rum eingelegten Knoblauch oder Piment. Nachdem ein Teil der Würste über Buchenholz geräuchert worden sind, folgt der entscheidende Schritt: die Lagerung. Bis über zwölf Monate reift die Ahle Wurscht in Lehmkammern bei hoher Luftfeuchtigkeit. Dabei wird sie aufwendig gepflegt, sodass sich nur Edelschimmel an den Därmen bildet, der für den besonderen Geschmack der Wurst entscheidend ist.

Linhose legt sehr viel Wert auf Qualität und Handarbeit. „Man muss die Wurst mit Liebe und Herzblut herstellen“, sagt er. Dass sich diese Hingabe lohnt, zeigen nicht zuletzt die Verkaufszahlen. Seit 2005 betreibt der Teichhof einen Online-Shop. Mittlerweile verschickt der Teichhof die Nordhessische Spezialität in alle Kontinente. Für seine Ahle Wurscht erhielt der Teichhof über 150 Auszeichnungen und die Initiative Slow Food nahm die Ahle Wurscht in ihre Arche des Geschmacks auf.

Wer einmal selbst den einmaligen Geschmack der Ahlen Wurscht probieren will, ist im Restaurant des Teichhofes gut aufgehoben. Im hofeigenen Laden bietet der Familienbetrieb ihre Spezialitäten zum Verkauf an. Regelmäßig finden Führungen durch die Wurstkammern statt.

Von Sonja Scharfe

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