Kreissäge statt Kreuzworträtsel

Senioren der "Männerwerkstatt" sind immer im Einsatz für Weißenborn

Die Bemühungen des Weißenborner Gemeindechefs Thomas Mäurer, den älteren Bürgern das würdige Altwerden im Ort zu ermöglichen, tragen Früchte. Seit drei Jahren trifft sich die Männerwerkstatt und macht das, wofür die Gemeinde sonst nur wenig Geld übrig hat: Den Ort verschönern und das Zusammenleben verbessern.

Stillstand ist keine Option für die Senioren der Gemeinde Weißenborn. Jeden Freitag füllen mindestens 15 der rüstigen Männer den Platz am Kirchring in der Dorfmitte mit Leben: Dann wird gehämmert, gesägt, gebohrt, gehobelt – und in erster Linie viel gemeinsam gelacht. Seit nunmehr drei Jahren gibt es die Männerwerkstatt in Weißenborn – und nach wie vor sind alle Senioren mit Feuereifer bei der Sache. „Alles, was anfällt und jedem gefällt“ werde hier erledigt, sagt Arno Mäurer, ehemaliger Bürgermeister der Gemeinde Weißenborn und Männerwerkstatt-Mitglied der ersten Stunde. So halten die Senioren etwa gemeinsam Wanderwege, Schutzhütten, Sportplatz- und Freizeiteinrichtungen der Gemeinde instand, fertigen Wegeschilder an oder mähen Rasen. Brauchen Gemeindemitglieder Hilfe, werden spontan Arzt- oder Einkaufsfahrten organisiert, Straßen gekehrt oder Schnee geschoben.

Senioren der "Männerwerkstatt" sind immer im Einsatz für Weißenborn

Die Männerwerkstatt ist 2012 aus der Aktion ,Älter werden in Weißenborn und Rambach’ entstanden“, sagt Bürgermeister Thomas Mäurer, der das Projekt auch initiiert hat. „Die anfallenden Arbeiten, für welche die Gemeinde sonst wenig Geld übrig hätte, werden ehrenamtlich erledigt – und das vorbildlich.“ Jeder einzelne Rentner lasse seine ganz persönlichen Qualifikationen mit in die Arbeiten einfließen. So werde unter anderem das Fachwissen der ehemaligen Schreiner, Elektriker, Maurer und Zimmerer ganz im Sinne der Gemeinschaft genutzt. Zurzeit arbeiten die Senioren an ihrem Vorzeigeprojekt, der Immobilie „Tante Dorthchen“ am Kirchring. Die über Einhundertjährige hatte der Gemeinde ihr Anwesen mitten im Ortskern für einen symbolischen Obolus verkauft, bevor sie im Frühjahr 2012 in ein Heim zog. Das Wohnhaus „Tante Dorthchen“ samt Nebengebäude, Scheune und Backhaus wird nun mit viel Liebe zum Detail von der Männerwerkstatt saniert, renoviert und umgebaut. „Die Immobilie steht allen Vereinen, Interessenten und der Kommune für Veranstaltungen zur Verfügung“, sagt Arno Mäurer nicht ohne Stolz. „Ausgerichtet werden können zum Beispiel Dorffeste, Adventsmärkte, Erntedank-Feste oder einfach gemeinsame Treffen“, so der ehemalige Bürgermeister.

Farbe, Putz und Elektrik sind so gut wie fertig“, sagt Fritz Born, Experte für die Maurerarbeiten. Nun geht es an die Innenausstattung: Die Scheune muss isoliert, das Dach verstärkt werden. Dafür haben die Senioren eigens Lärchen im Gemeindewald gefällt. Diese wurden im Sägewerk zu passenden Brettern verarbeitet. „Es soll wieder Leben in die Ortsmitte kommen“, begründet Gerd Morgenthal, Vorsitzender der Männerwerkstatt, das unermüdliche Engagement der Senioren. Die Männerwerkstatt verstehe sich dabei ergänzend zu den bereits bestehenden Institutionen im Dorf – „eine Konkurrenz wollen wir nicht sein“, sagt Morgenthal.

Von Emily Spanel

Rubriklistenbild: © Spanel, Emily

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