Mit Stab und Schirmmütze

Martin Kliebisch repräsentiert Weißenborn als Symbolfigur Dörnermann

Vor dem Heimatmuseum: Martin Kliebisch im traditionellen Gewand des Dörnermanns. Der 26-Jährige bezeichnet sich als Unterabteilung des Heimatvereins. Foto: Spanel

Weißenborn. Seine zerrissene, blaue Arbeiterhose trägt er mit Stolz, den mit Reisigbündeln gefüllten, schweren Rückenkorb mit Würde: Martin Kliebisch ist der Weißenbörner Dörnermann, und das aus Leidenschaft. Der 26-Jährige verkörpert die Symbolfigur der Gemeinde seit dem Jahr 2004.

Fällt er einmal aus, springt der Weißenbörner Student Martin Viel für ihn ein.

„Dörnermann zu sein bedeutet in erster Linie, seinen Heimatort würdig zu repräsentieren“, erklärt Kliebisch, im Hauptberuf Verwaltungsfachangestellter. Auf Kirmes-umzügen, bei Schützenfesten oder anderen Großveranstaltungen in der Region läuft der 26-Jährige regelmäßig Werbung für Weißenborn. Kurz vor der 650-Jahr-Feier des Ortes (los geht es am Freitag, 28. August) hat Kliebisch besonders viel zu tun.

Das Amt ausfüllen 

„Es ist wichtig, das Ehrenamt mit Freude und im Sinne der Tradition auszufüllen“, sagt der Weißenbörner. Seinen Vorgänger als Dörnermann, den verstorbenen Alfried Dietrich, hat er in guter Erinnerung: „Wir haben am gleichen Tag Geburtstag, und meine Großeltern waren gut mit der Familie Dietrich befreundet“, sagt Kliebisch.

Auch an seinen ersten Auftritt als Symbolfigur in traditioneller Tracht mit weißem Leinenhemd und kariertem Halstuch kann er sich gut erinnern. Bei der Einweihungsfeier einer Sparkassen-Filiale sei das gewesen: „Geladen waren auch Symbolfiguren anderer Orte“, sagt Kliebisch mit einem Lächeln. Das habe die erste Scheu und den Druck etwas genommen.

Heute grüße er bei Großveranstaltungen ganz selbstverständlich in die Menge, schultere den Kötze genannten Korb und winke mit seinem Holzstab – auf den Lippen stets den Ruf „Dörnermann heute und allezeit“.

Ehrenbezeichnung seit dem Jahr 1927

Zum ersten Mal als Dörnermänner bezeichnet wurden die Weißenbörner im Jahr 1927. Um sich ein Zubrot zu verdienen, bündelten die Bewohner des Ortes die Äste der Weißdornhecken, die um den Ort herum wuchsen. In Eschwege wurden die Dörner an Bäcker und Bürger verkauft. Der Begriff „Dörnermann“ steht seitdem für unermüdliche Schaffenskraft – schließlich wussten die Weißenbörner sogar die Dörner der Landschaft zu verwerten.

Von Emily Spanel

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