In Stein gebaute Geschichte

Häuser erzählen Geschichten: Gruppe arbeitet Historie Weißenborns auf

Katasterplan als wertvolle Quelle: (von links) Yvonne Rimbach, Monika Heinisch, Sabine Schmidt und Jürgen Dilchert von der Projektgruppe „Historischer Rundgang Weißenborn“. Foto: Spanel

Weißenborn. Hinter den Fassaden alter Häuser verbergen sich alle Arten von Geschichten. Wohl ganze Liebesromane haben die Gemäuer erlebt, könnten Historienromane füllen oder Krimis erzählen. Jürgen Dilchert, Monika Heinisch, Marko Heckeroth und Sabine Schmidt aus Weißenborn hören ganz genau hin – und geben die Geschichten weiter. Buchstäblich über die Hintertreppe arbeitet das Quartett in mühevoller Recherchearbeit die Lokalhistorie Weißenborns auf.

„Zurzeit nehmen wir 25 Häuser des Ortes unter die Lupe“, sagt Jürgen Dilchert. Darunter befinden sich unter anderem das Bürgermeisteramt, des Anwesen „Tante Dorthchen“ oder die ehemalige Ziegelei. Gemeinsam mit seinen drei Mitstreitern plant Dilchert eine Zeitreise zurück ins Jahr 1800. „Unsere wertvollste Quelle ist ein alter Katasterplan“, sagt Monika Heinisch. Daran könne genau ersehen werden, wie Weißenborn erbaut worden sei. „Die Hausnummern wurden nämlich nicht etwa entlang der Straßen vergeben, sondern nach der Baufolge“, weiß Heinisch.

Die ersten Gebäude Weißenborns habe es demnach an der Straße Im Bach, der heutigen Bachstraße, gegeben – „wohl wegen der Nähe zum Wasser“, erklärt Heinisch. Dann folgten die Sandhöfe; die Kirche des Ortes sei erst im Jahr 1877 erbaut worden. „Für die Recherchen nutzen wir auch die Kirchenbücher und befragen die Hauseigentümer“, sagt Sabine Schmidt. Denn besonders interessiert sei das Trio an den Familiengeschichten: „Wer hat das Haus erbaut, wie viele nachfolgende Generationen hat es beherbergt – das ist Heimatgeschichte pur“, sagt Jürgen Dilchert.

Mit erschütternden Geschichten aus Kriegszeiten kann das Trio mittlerweile genauso aufwarten wie mit launigen Anekdoten aus dem Dorfleben.

Acrylschilder für Gebäude 

Sind genügend Informationen zu einem Haus gefunden, wird ein Acrylschild angefertigt. Dabei steht dem Recherche-Team die Mediendesignerin Yvonne Rimbach zur Seite. „Auf dem Schild sollen sowohl ein historisches als auch ein aktuelles Foto des Gebäudes zu sehen sein“, sagt die gebürtige Weißenbörnerin. Die wichtigsten Informationen werden übersichtlich und in Stichpunktform dazugestellt. Die Schilder werden in einem letzten Schritt im Einverständnis mit den Hauseigentümern an den jeweiligen Gebäuden angebracht. Bis zur 650-Jahr-Feier Weißenborns (los geht es am Freitag, 28. August) soll das Projekt „Historischer Rundgang“ beendet sein. Zum Dorfjubiläum soll nach Willen der Recherchegruppe auch der Katasterplan ausgestellt werden.

Finanziell unterstützt wird das Projekt von der Sparkassen-Stiftung – bewilligt sind 30 Schilder.

Von Emily Spanel

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