100 Dinge, die wir in der Region lieben: Das Gänsekerle-Denkmal

Steinerner Wächter an der Furt

Gehauen in Stein: Vorbild für das Gänsekerle-Denkmal in Datterode war ein Foto Jakob Fischers. Die Statue, welche die Mitglieder des Heimatvereins in Auftrag gegeben haben, erinnert an den Beinamen der Datteröder. Foto: Spanel

Datterode. Beinahe stolz steht der steinerne Gänsekerl an der Netrafurt in Datterode.

Hier, am sanft plätschernden Gewässer unweit des Angers, wacht er bei Wind und Wetter über die Stelle, an der über Jahrhunderte hinweg Gänse den Bachlauf gekreuzt haben – ein Ereignis, das den Datterödern eben jenen Beinamen einbrachte, den sie noch heute tragen.

Der Beiname

Der Beiname „Gänsekerle“, den die Bewohner des Ringgauer Ortsteils seit dem 17. Jahrhundert tragen, erinnert an den Erwerb des Lebensunterhaltes in jenen Zeiten. Zuvor waren die Datteröder im Übrigen als „Wacholderklopfer“ bekannt: Zur Aufbesserung ihres Lebensunterhaltes ernteten sie Wacholderbeeren, indem sie mit einem Stock an die Büsche schlugen. Die Beeren wurden anschließend in Eschwege an Drogerien und Apotheken verkauft, um Medizin herzustellen.

Die Sippe der Fischers

Im Zuge der Hugenotteneinwanderung aus dem Elsass kam die Sippe der Fischers nach Datterode – die Mitglieder der Familie kauften und verkauften Federvieh. Dazu zogen sie mit einer sogenannten Kötze, einem Rückenkorb, über Land. Dafür waren sie bald von Eisenach bis nach Kassel bekannt. In der Folge setzte sich der Beiname „Gänsekerle“ für alle Bewohner des Ortes Datterode durch.

Die Symbolfigur

Die Mitglieder des Heimatvereins Datterode haben im Jahr 2007 das Gänsekerle-Denkmal an der Netrafurt errichtet. Hergestellt hat die fein gearbeitete Figur Steinmetz Jan Müller – nach einem Foto von Jakob Fischer als Vorlage. Zunächst fand das Denkmal unweit der Bushaltestelle an der Leipziger Straße seinen Platz – doch dort, so ist es in den Aufzeichnungen des Heimatvereins zu lesen, „stand sie etwas verloren herum“. Doch nunmehr „habe sie einen würdigen Platz an der Stelle, an der über Jahrhunderte hinweg Gänse über den Netrabach gegangen sind, gefunden.“

 

Von Emily Spanel

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