Einziger ehrenamtlicher Bürgermeister Hessens

Interview mit Bürgermeister Thomas Mäurer: „Mit einer großen Portion Idealismus“

Vollzeitjob: Thomas Mäurer ist Bürgermeister im Ehrenamt – Letzteres aber nur auf dem Papier. Foto: Spanel

Weißenborn. Hessische Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern sollen auf eigenen Wunsch auch von einem ehrenamtlichen Bürgermeister geführt werden können: Für diesen Vorstoß hat die Landesregierung viel Kritik einstecken müssen. Wir sprachen mit Weißenborns Rathauschef Thomas Mäurer, bislang einziger ehrenamtlicher Bürgermeister des Landes.

Ihr Schreibtisch ist vollgepackt, die Akten stapeln sich. Bürgermeister nur im Nebenjob – geht das überhaupt?

Thomas Mäurer: Nein. In einer Gemeinde wie Weißenborn funktioniert es nicht, lediglich Bürgermeister nach Dienstschluss zu sein. Schließlich nehme ich nicht nur repräsentative Aufgaben war, sondern bin unmittelbar in die politische Arbeit eingebunden – als Leiter der Verwaltung und Vorsitzender des Gemeindevorstands. Ich habe die Dienstaufsicht über die gemeindliche Kindertageseinrichtung und den Bauhof, kümmere mich von einfachen Posteingängen bis hin zur Jahresrechnung um nahezu alle Belange, welche die Gemeinde betreffen. Kurzum: Ich bin Leiter der Fachbereiche und der Verwaltung in Personalunion. Das ist ein Vollzeitjob.

Die Kernidee der Hessischen Landesregierung: Wird ein Ehrenamtlicher mit entsprechender Aufwandsentschädigung installiert, kann die Kommune kräftig sparen...

Mäurer: Dieser Vorschlag ist noch unausgegoren. Denn: Noch gibt es vonseiten des Landes keinerlei Ausführungsbestimmungen, die genau definieren, was der ehrenamtliche Bürgermeister eigentlich zu tun hat, wie viele Wochenstunden er arbeitet – und wie er dafür vergütet werden soll. Repräsentiert er künftig vielleicht nur noch? Dann müsste eine zusätzliche Person eingestellt werden, welche die Sachbearbeitung erledigt. Und da wüsste ich gern, wo die Kommune letztlich was spart.

In Weißenborn funktioniert das Modell „Bürgermeister im Ehrenamt“ seit den 1970er-Jahren aber hervorragend.

Mäurer: Das stimmt. Müsste Weißenborn sich einen hauptamtlichen Bürgermeister leisten, wäre es um die finanzielle Situation der Gemeinde sicher schlechter bestellt. Dennoch: Das Weißenbörner Modell funktioniert nur mit einer großen Portion Idealismus. Ich erhalte einen aufgestockten Ehrensold – erledige aber dafür Aufgaben, die oft noch kleinteiliger sind als die der hauptamtlichen Bürgermeister. Die Aufstockung verdanke ich im Übrigen dem damaligen SPD-Politiker Bernd Schleicher, der sich Ende der 1980er-Jahre dafür eingesetzt hat. Ich bin Wahlbeamter, jedoch sozialversicherungspflichtig angestellt – aber nicht arbeitslosenversichert. Eine tiefe Verwurzelung in der Heimatgemeinde, Engagement und nicht zuletzt die Unterstützung der Familie, die das Arbeitspensum mittragen muss, sind Grundvoraussetzungen. All das darf nicht unterschätzt werden.

Wie soll es in der Zukunft weitergehen?

Mäurer: Weißenborn will seine Eigenständigkeit auch als kleine Gemeinde behalten. Der Bürgermeister muss, so die einhellige Meinung, dementsprechend ein ehrenamtlicher bleiben.

Dennoch gibt es nach dem Vorstoß der Landesregierungen einige Fragen zu klären. Zum Beispiel die nach meinem Bestandsschutz: Bleibt es bei meiner Besoldung? Werden die Aufgaben künftig genauer festgelegt? Eine Antwort auf meine nach Wiesbaden gestellten Anfragen habe ich bislang noch nicht erhalten.

Zur Person

Thomas Mäurer (46) ist seit dem Jahr 2011 parteiloser Bürgermeister der Gemeinde Weißenborn. Er ist der einzige Rathauschef im Bundesland Hessen, der sein Amt ehrenamtlich ausübt. Vor seinem Amtsantritt war Mäurer langjähriger SPD-Gemeindevertreter sowie Erster Beigeordneter Weißenborns. Besonders am Herzen liegt ihm das Projekt „Älter werden in Weißenborn und Rambach.“ Der Finanzdienstleister Mäurer ist verheiratet und Vater eines Sohnes.

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