Zweiter Weltkrieg im Ringgau 

Geheimer Flugplatz in  Wäldern versteckt

Stationiert im Ringgau: Drei Junkers 88, Teil des Kasseler Nachtjagdgeschwaders. Das Bild wurde von dem Zeitzeugen Heinrich Beck aus Datterode aufgenommen. Foto: Adam, Archiv/nh

Lüderbach. Noch immer ist die Situation bei Kriegsende im Ringgau nicht abschließend erforscht: Für die Chronik „800 Jahre Lüderbach“ hat WR-Leser Manfred Adam Zeitzeugen befragt und ihre Berichte zusammengefügt. Bei seinen aufwendigen Recherchen stieß Adam auch auf einen geheimen Feldflugplatz für Nachtjäger.

Das dumpfe Dröhnen der schweren Maschinen muss furchtbar und angsteinflößend geklungen haben. Nächtelang flogen große Bomberverbände kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges über das Ringgau-Plateau - immer auf dem Weg in die großen Städte, immer gen Osten. „Die Menschen wurden davon in den Betten wach“, hat Manfred Adam aus Lüderbach von Zeitzeugen erfahren. Dass die Flüge der Vergeltung deutscher Angriffe dienten, wussten die Menschen im Ringgau nicht: Informationen gab es nur über die Volksempfänger, das Hören von Feindsendern war strengstens verboten.

Auch wussten wohl die Wenigsten um den Feldflugplatz, den die deutsche Luftwaffe im Herbst 1944 auf der Hochebene des Ringgaus errichtet hatte: „Der Kasseler wie auch der Eschweger Flugplatz waren zu diesem Zeitpunkt größtenteils zerstört“, weiß Adam zu berichten. Hingegen war der Feldflugplatz tagsüber so gut getarnt, dass er auch von den Feindflugzeugen nie entdeckt worden ist. Flakstellungen wurden nie nötig.

„Der Auftrag der Abfangjäger vom Ringgau war es, aus den englischen und amerikanischen Bomberverbänden möglichst viele herauszuschießen“, sagt Adam. „Und das, obwohl diese mit dem Begleitschutz durch eigene Jagdflugzeuge längst die totale Luftüberlegenheit hatten.“

Nach zeitgenössischen Meldungen der Reichsluftwaffe gelang es den deutschen Nachtjägern angeblich, 38 britische Bomber vom Typ Lancaster abzuschießen. Derselbe Verband griff später Kassel an.

Rückkehr im Morgengrauen

Der Stab und das fliegende Personal, wohl rund 30 Mann, waren in Altefeld im Hotel St. Georg untergebracht. Das Bodenpersonal des Ringgauer Feldflugplatzes, etwa 20 Mann, wohnte in umgebauten Ställen sowie in eigens dafür aufgebauten Holzbaracken nahe dem Flugfeld.

Die Jagdflugzeuge standen tagsüber in Deckung. Dazu wurden kleinstmögliche Schneisen in das Waldstück „Viehholz“ geschlagen. Als Startbahn diente eine angrenzende Wiese. Nach den nächtlichen Einsätzen kehrten die Jagdflugzeuge im Morgengrauen zum geheimen Feldflugplatz zurück. Ob beziehungsweise wie viele Flugzeuge von der Staffel verloren gingen, ist bis heute nicht bekannt.

„Konkret wissen wir aber“, sagt Adam, „dass ein deutsches Jagdflugzeug vom Typ Messerschmidt Me109 über Lüderbach von US-Kampfflugzeugen abgeschossen wurde und zwischen Netra und Lüderbach abstürzte. Ein weiteres deutsches Flugzeug gleichen Typs wurde über der Graburg abgeschossen.“ Die Piloten sind in Netra und Rittmannshausen begraben.

Von Emily Spanel

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