„Vom Erfolg überrascht“

Schachtreffen für Flüchtlinge in Netra ausgeweitet

Auch die Jüngsten begeistern sich für Schach: (von links) Lio und Hassan haben viel Freude bei den Treffen in Netra. Dort schauen sie sich gern den ein oder anderen geschickten Spielzug der Erwachsenen ab. Gespielt wird im Übrigen auf Brettern nach internationalem Standard: Fünf davon wurden durch Fördermittel finanziert. Fotos: Spanel

Netra. Wie kann Integration funktionieren, wenn Migranten die Sprache des Landes, in dem sie Zuflucht gefunden haben, noch nicht fließend sprechen?

Zu Jahresbeginn haben sich Thomas Holzapfel, Volker Bernhardt und Rainer Marinoni, allesamt aus Netra, diese Frage gestellt. Das Trio aus dem Ringgauer Ortsteil ist seit 2015 aktiv in der Flüchtlingshilfe engagiert. „Ein Teil der Antwort“, sagt Rainer Marinoni, „lautet Schach“. Das Spiel der Könige sei auf der ganzen Welt bekannt und kenne weder Länder- noch Sprachbarrieren.

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Und eben jenes Projekt, das im Januar mit wöchentlichen Treffen in kleiner Runde im Martin-Luther-Heim Netra startete (wir berichteten), hat sich mittlerweile zu einer Erfolgsgeschichte gemausert, die selbst die Erwartungen der Organisatoren übertrifft. „Nun nehmen sogar Migranten aus den Unterkünften in Grandenborn und Weißenborn an den Zusammenkünften teil“, sagt Marinoni. Untereinander werden so weitere, wichtige Kontakte geknüpft, Schranken überwunden, Zielstrebigkeit und Ausdauer geschärft. Die nötige Logistik übernehmen die Ehrenamtlichen aus Ringgau und Weißenborn: Sie fahren zwischen den Gemeinden hin und her.

Mittlerweile denkt Marinoni sogar einen Schritt weiter: „Es wäre toll, diese Schachbegegnungen so zu stabilisieren, dass diese als weiteres Freizeitangebot für jedermann im Ringgau angeboten werden können“, so der engagierte Netraer.

Weitere Angebote geplant

Konzentriert: Die Partie Volker Bernhardt (links) gegen Abdulnaser Fares aus Weißenborn ist ausgeglichen. Das Niveau der rund 20 Spieler ist sehr hoch.

Marinoni hat mittlerweile zusätzlich ein Basisseminar für Sport-Coaches absolviert. Das wiederum ist die Voraussetzung für die Zuweisung von Fördermitteln durch das Hessische Ministerium des Inneren und für Sport. Die zweckgebundenen Mittel dienen insbesondere zur Integration der Flüchtlingedurch Sport in Vereinen. „Die Interessen der Migranten sind in der Hauptsache auf Gymnastik, Schwimmen, Fußball und Schach ausgerichtet“, sagt Marinoni. Das erste Vorbereitungstreffen mit den Vertretern der Vereine soll heute stattfinden.

• Alle Schachinteressierten sind zu den Treffen am jeweils letzten Dienstag eines Monats willkommen. Los geht es um 15 Uhr im Martin-Luther-Heim Netra. Das nächste Treffen findet am Dienstag, 27. September, statt.

Von Emily Spanel

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