Weißenborn: Es brennt an viele Ecken

Thomas Mäurer

Weißenborn. Weißenborns Bürgermeister Thomas Mäurer will sein Dorf zukunftsfähig machen. Deshalb hat er sich mit der Privatinitiative Nahversorgt zwei Experten ins Boot geholt.

Am Samstag drehten sie mit Mitgliedern des Gemeindeparlaments und der Arbeitsgemeinschaft Dorferneuerung jeden Stein im Ort um, um mögliche Varianten der künftigen Daseinsversorgung im Ort auszuloten.

In Weißenborn brennt es gleich an mehreren Orten. Die Gemeindescheune an der Bachstraße, in der Maschinen des Bauhofs stehen, ist baufällig und muss abgerissen werden. Somit braucht man einen neuen Standort. Der Nutzungsvertrag mit dem Gasthaus Faber, nach dem die Gemeinde das Gebäude als Dorfgemeinschaftshaus nutzen darf, läuft Ende dieses Jahrzehnts aus. Eine Nachfolgeregelung ist nach Angaben des Bürgermeisters mehr als ungewiss.

Sollte die Graburgschule geschlossen werden, verliert die Sporthalle ihren Hauptnutzungsgrund, und in der Gemeinde steht ein weiteres Gebäude leer. Wenn in ein paar Jahren die alten Feuerwehrfahrzeuge ausgetauscht werden, passen die neuen nicht mehr ins jetzige Gerätehaus. Auch der demografische Wandel hat seinen Platz in diesem Szenario: Innerhalb der kommenden zehn Jahre wird die Bevölkerung in Weißenborn um 13 Prozent zurückgehen, der Anteil der über 80-Jährigen sich verdoppeln. So lautet die Prognose des Werra-Meißner-Kreises.

Gleichzeitig steigen die Ansprüche der Bürger an die Lebensqualität in ihrem Umfeld. Um den Ortsteil attraktiver zu machen, träumt Gemeindechef Mäurer von einer lebendigen Dorfmitte mit einer zentralen Begegnungsstätte für Jung und Alt.

Kommunal- und Einzelhandelsberater Malte Obal aus Hamburg und der Regionalentwickler Hartmut Kind aus Bad Nauheim schlossen sich 2001 zusammen, um Kommunen in ganz Deutschland bei genau solch komplexen Problemen zu helfen. Obal war beispielsweise an der Planung des mehrfach ausgezeichneten Marktwerts in Datterode beteiligt. In den Fokus der Diskussion am Samstag geriet schnell der sich in Privatbesitz befindende Gutshof Bachstraße 15, genau gegenüber der Gemeindescheune. Wohnhaus und Scheune stehen seit 15 Jahren leer und befinden sich direkt in der Dorfmitte. Dort würde Mäurer die Begegnungsstätte am liebsten sehen. „Parklätze könnten gegenüber auf dem Areal der Gemeindescheune entstehen“, ergänzt er.

Die zum Gut gehörende Scheune könnte vom Bauhof und auch als Veranstaltungssaal genutzt werden. Zudem könne der oberhalb gelegene Kindergarten mit eingebunden werden. In Mäurers Pläne jedoch platzten die Nahversorgungsexperten mit klaren Fakten: „Allein mit einer öffentlichen Einrichtung können Sie Ihr Dorf nicht retten“, mahnte Hartmut Kind.

Von Stefanie Müller

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