Die Masche mit den Maschinen

Kai Reinhardt-Ziegler sammelt historische Strickmaschinen

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Kai Reinhard-Ziegler sammelt historische Strickmaschinen

Weißenborn. Das Klappern und Rauschen der Nadeln klingt für Kai Reinhardt-Ziegler wie eine wunderschöne Melodie.

Leidenschaftlich gern setzt der Weißenbörner seine historischen Flachstrickmaschinen in Gang: Fäden sausen von links nach rechts, und die Spulen gehorchen dem Takt der Maschine. Mit geschickter Hand und dem nötigen Feingefühl entlockt Reinhardt-Ziegler seinen historischen Schätzen die filigransten Textilwaren, beherrscht dabei fast vergessene Muster und seltene Gesticke.

Insgesamt 17 solcher Maschinen – zehn Industrie- sowie sieben Haushaltsstrickmaschinen – hat der Weißenbörner seit dem Jahr 1990 zusammengetragen. „Ich bin eben ein Sammler aus Leidenschaft“, sagt er mit einem Lächeln. Stolz ist er auf jedes einzelne seiner Stücke – vom ältesten Modell aus dem Jahre 1890 bis hin zu den neueren, elektronisch betriebenen Maschinen aus den 1990er-Jahren. Mindestens eine Besonderheit gibt es an jedem Modell zu entdecken – sei es ein versetzter Fadenspanner, ein Zählwerk oder ein Hochbügelschlitten. „Voll funktionstüchtig und in Gebrauch“, sagt Reinhardt-Ziegler und streicht über das kühle Metall, „ist jede Strickmaschine.

Kai Reinhardt-Ziegler sammelt historische Strickmaschinen

Wie ein roter Faden zieht sich das Interesse für das Traditionshandwerk durch das Leben Reinhardt-Zieglers: Seine erste eigene Strickmaschine besitzt er seit seiner Lehrzeit bei der Firma Bode in Wanfried. „Bis heute bringe ich es nicht übers Herz, eine der Maschinen in der Schrottpresse verschwinden zu sehen“, sagt der gelernte Stricker. „Dann gebe ich ihr lieber ein neues Zuhause“, schickt er schmunzelnd hinterher, „und zwar mit Familienanschluss.“ Hier wird jedes einzelne Modell – ob gusseisern oder aus Plastik – auseinandergenommen, auf Vordermann gebracht und wieder zusammengesetzt. Zum Laufen gebracht hat Reinhardt-Ziegler bislang noch jedes Modell – und zwar mit Fachverstand, gepaart mit einem Geheimrezept: „Ein Tröpfchen Öl, verteilt auf einem Lappen und in der richtigen Menge aufgebracht, wirkt wahre Wunder“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Seine Strickmaschinen hat der gebürtige Grebendorfer über Zeitungsannoncen, Kleinanzeigen im Internet und durch persönliche Kontakte und Bekanntschaften gefunden. Seine ganz persönlichen Schätze stammen etwa aus Mühlhausen, Heldra, Eschwege und aus dem Heimatmuseum in Weißenborn. Die Geschichte der gewerblichen Maschinenstrickerei im Landkreis Eschwege und Umgebung ist so mittlerweile zu einer Passion des Weißenbörners geworden, die er gern mit seiner Frau Gertrud Ziegler teilt. Gemeinsam haben sie über ein halbes Jahr lang recherchiert und Informationen zusammengetragen.

Zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat das Paar seine historischen Maschinen samt ihrer Geschichte während der nordhessischen Entdeckertage. Aufgebaut aber sind die seltenen Stücke noch weiterhin im Dorfgemeinschaftshaus in Rambach an der Schulstraße und können dort besichtigt werden. „Anfassen und ausprobieren ist ausdrücklich erwünscht“, sagt Kai Reinhardt-Ziegler mit einem Lächeln. Ergänzt wird die kreisweit einmalige Ausstellung durch Werkzeuge des traditionellen Strickerhandwerks: Neben Nadelpfeilen finden sich dort auch so exotische Exponate wie Birnengewichte und Zopfapparate.

Von Emily Spanel 

 

• Kontakt: Café Landlust, Schulstraße 3 in Rambach, Telefon 0 56 59/92 50 76. Der Eintritt ist frei – eine Führung mit Ansprechpartner Kai Reinhard-Ziegler inklusive

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