Hesseneck verliert Position nach Fusion im Jahr 2018

Weißenborn wird Hessens kleinste Gemeinde

Weißenborn. Hessens kleinste selbstständige Gemeinde liegt ab dem Jahr 2018 im Werra-Meißner-Kreis. Vorausgesetzt, es bleibt bei den derzeit 1072 Einwohnern, wird Weißenborn den bisherigen Spitzenreiter Hesseneck (Odenwaldkreis) ablösen.

Deren 736 Einwohner stimmten jüngst mit großer Mehrheit für eine Fusion mit der Stadt Beerfelden sowie den Nachbargemeinden Sensbachtal und Rothenberg. Damit ist der Weg frei für eine neue Stadt im Odenwald mit rund 10.000 Einwohnern. Derzeit arbeiten die betroffenen Kommunen einen Grenzänderungsvertrag aus.

„Ist diese erste Gemeindefusion in Hessen seit den 1970er-Jahren erfolgreich, ist das zugleich der Beginn einer versteckten Gebietsreform“, sagt Weißenborns Bürgermeister Thomas Mäurer. Umso größer eine Verwaltungseinheit werde, desto höher seien auch die von der Landesregierung erhofften Einsparungen. „Inwieweit aber der einzelne Bürger tatsächlich profitiert, muss erst die Praxis zeigen“, sagt Mäurer.

Wird Weißenborn tatsächlich die kleinste selbstständige Gemeinde Hessens, werde auch dort der Druck spürbar zunehmen. „Doch erklärtes Ziel der Kommunalpolitik Weißenborns bleibt der Erhalt unserer Eigenständigkeit und damit der Selbstverwaltung der Gemeinde“, sagt Mäurer. Andernfalls bestehe die Gefahr, die Bürgernähe und das damit verbundene, gut funktionierende Gemeinwesen zu verlieren. „Wege zu weit entfernten Verwaltungen stellen unzumutbare Belastungen für die Einwohner dar“, sagt Mäurer.

Darüber hinaus biete das Prädikat „kleinste Gemeinde Hessens“ aber auch die Chance, die touristische Vermarktung Weißenborns anzukurbeln. „Die Vorteile der Gemeinde – etwa das lebenswerte Umfeld mit herrlicher Natur, die gute Infrastruktur und die zahlreichen Angebote für seniorengerechtes Wohnen – können so nach außen getragen werden.“

Platz zeugt von enger Verbindung

Die Gemeinden Weißenborn und Hesseneck (Odenwaldkreis) pflegen seit mehr als 30 Jahren eine enge Partnerschaft. Durch einen Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) über Hessens letzten ehrenamtlich tätigen Bürgermeister Arno Mäurer wurde das Gemeindeoberhaut Hessenecks, Friedel Sepp, im Jahr 1985 auf Weißenborn aufmerksam. Nach einer ersten Kontaktaufnahme kam es zu regelmäßigen Besuchen, auch die örtlichen Vereine schlossen sich bald an. Von der engen, gewachsenen Verbindung der kleinsten Gemeinden Hessens zeugt heute der Hesseneck-Platz in Rambach, der beinahe komplett in Eigenleistung gebaut wurde.

 

Von Emily Spanel

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