Wirbel um winzigen Vogel

Seltener Steinschmätzer nistet bei Grandenborn: Ärger um Brutrevier

Legten ihren Streit beim Ortstermin bei: (von links) Landwirt Friedhelm Dach, Friedrich Haselhuhn, Bürgermeister Klaus Fissmann, Ortsvorsteher Karl-Heinz Siebert, Bauamtsleiter Patrick Finke und Vogelschutzbeauftragter Robert Schulz. Foto: Strube

Grandenborn. Nicht einmal handgroß ist der kleine Singvogel, und doch vermag er Naturfreunde und Vogelkundler rund um den Ringgauer Ortsteil Grandenborn in Erstaunen zu versetzen: der Steinschmätzer.

Nur noch rund 40 Brutpaare des vom Aussterben bedrohten Vogels sind im ganzen Bundesgebiet registriert – und allein fünf Exemplare nisten nun in Grandenborn.

Das Naturhabitat

Robert Schulz, Vogelschutzbeauftragter Grandenborns, holte sich bereits im Oktober des vergangenen Jahres die Genehmigung von Ortsvorsteher Karl-Heinz Siebert, ein sogenanntes Naturhabitat zu errichten. Der Steinschmätzer bevorzugt felsige Gebiete mit karger Vegetation, vornehmlich im Hochgebirge. Daher errichtete Schulz einen Steinhaufen aus mehreren Lesesteinen, um dem Vogel ein geeignetes Brutrevier zu bieten. „Ich freue mich, dass meine Bemühungen so schnell gefruchtet haben“, sagt Robert Schulz.

Der Widerstand

Doch ein Wermutstropfen trübte sein Glück: Landwirt Friedhelm Dach störte sich an dem Steinhaufen, der sich direkt neben seinem Feld befindet. „Ich befürchte, dass mir die Steine auf das Feld rollen, und ich dadurch in meiner Arbeit behindert werde – ja womöglich auch mit Maschinenschäden rechnen muss“, sagt Dach. „Ich verstehe nicht, warum der Steinhaufen so viel Ärger erregt. Wir haben es hier mit aktivem Vogelschutz zu tun“, sagt Schulz.

Der Kompromiss

Ein „sachlicher und vernünftiger Kompromiss“ sei schließlich bei einem Vor-Ort-Termin angestrebt worden, sagt Schulz. Zugegen waren neben Schulz Ringgaus Bürgermeister Klaus Fissmann, Ortsvorsteher Karl-Heinz Siebert, Bauamtsleiter Patrick Finke, Landwirt Friedhelm Dach sowie Friedrich Haselhuhn von der unteren Naturschutzbehörde. „Der Standort bleibt erhalten“, sagt Schulz, da es sich auch um ein bereits durch die Zauneidechse bezogenes Habitat handele.

Nach Ende der offiziellen Brutzeit des Steinschmätzers werde lediglich eine Verschiebung der Steine um drei Meter nach hinten erfolgen, sodass Friedhelm Dach bei der Bewirtschaftung seiner Fläche nicht länger eingeschränkt sei. Ferner werde der Steinhaufen durch einen starken Baumstamm zusätzlich abgesichert.

Die Zukunft

Robert Schulz ist zufrieden mit dem Ausgang: „Der Standort ist einfach ideal.“ Er werde sich bemühen, das zukünftige Brutverhalten des Steinschmätzers zu dokumentieren – mit viel Glück auch mit Bildmaterial. „Selbstverständlich werde ich das Habitat pflegen und in Ordnung halten. Denn in Sachen Artenschutz haben wir bereits fünf nach zwölf.“ (red/esp)

Von Sonja Strube

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