Kleinster Ortsteil Ringgaus

Rittmannshausen besticht durch intakte Ortsgemeinschaft

Rittmannshausen. Zum Verbreitungsgebiet unserer Zeitung gehören im Landkreis Werra-Meißner 16 Städte und Gemeinden. Damit auch die kleinsten Ortsteile aller Kommunen einmal groß rauskommen, stellen wir diese in loser Reihenfolge vor. Heute ist Rittmannshausen an der Reihe, kleinster Ortsteil der Gemeinde Ringgau.

Das Wort „Gemeinschaft“ kommt Cornelia Lucau ganz selbstverständlich über die Lippen. Die Ortsvorsteherin von Rittmannshausen zögert keine Sekunde, als sie den 130-Seelen-Ort an der hessisch-thüringischen Landesgrenze beschreiben soll. „Fast jeder Einwohner ist in einem oder mehreren Vereinen für das Dorf engagiert“, sagt Lucau, selbst ein engagiertes Mitglied der Rittmannshäuser Landfrauen.

Zwar seien die finanziellen Mittel auch in dem kleinsten Ringgauer Ortsteil knapp, der demografische Wandel nicht zu verleugnen und auch Leerstand ein zunehmendes Problem – doch unterkriegen lassen sich die Rittmannshäuser davon nicht. „Dann packen wir eben selbst mit an“, sagt die Ortsvorsteherin. So sei etwa das Dorfgemeinschaftshaus (DGH) vor drei Jahren zum großen Teil in Eigenregie saniert worden. Bis heute halten die Landfrauen das DGH in liebevoller Detailarbeit instand.

Jeder bringt sich ein: Regelmäßig befreien die Rittmannshäuser ihren Ort gemeinsam vom Müll. Auch bei den Freiwilligentagen packt jeder mit an. Fotos: Spanel/privat

Besonders stolz sei die Dorfgemeinschaft auch auf die imposante Kirche, deren Turm schon von Weitem die Blicke auf sich zieht. Noch aus der Zeit vor dem Dreißigjähigen Krieg sei das steinerne Bauwerk erhalten – das Kirchenschiff hingegen wurde 1828 neu gestaltet.

Die Wurzeln bleiben 

Einen Einkaufsmarkt gibt es in Rittmannshausen schon lange nicht mehr, auch die letzte Gaststätte hat vor Kurzem ihre Pforten geschlossen. Kindergartenkinder sind im Kindergarten „Kleine Hände“ im benachbarten Netra untergebracht; die nächste Grundschule ist im Ringgauer Ortsteil Röhrda. Weg aus Rittmannshausen will trotzdem kaum einer: „Wer im Ort verwurzelt ist, der bleibt es auch“, sagt Lucau. Oft bauten oder kauften die Kinder alteingesessener Rittmannshäuser eigene Häuser, um hier glücklich zu werden.

Entscheidend sei wohl das gute Miteinander, sagt Lucau. Einmal im Jahr werde etwa ein Freiwilligentag organisiert. „Für einen so kleinen Ortsteil nehmen wir uns immer ganz schön große Projekte vor“, sagt die Ortsvorsteherin mit einem Lächeln. In diesem Jahr sei zum Beispiel geplant, die Fassade der Kirche zu renovieren. Besonders aktiv sei die Rittmannshäuser Jugend: Seit dem Jahr 2006 ist die junge Generation mit einem eigenen Club vertreten und organisiert mit wachsender Begeisterung Dorffeste, das Osterfeuer oder im Zweijahresrythmus die Hüttenkirmes. Die stilechte Gaudi in Dirndl und Trachtenhosen sei ein Höhepunkt im Kalender der Rittmannshäuser, sagt die Ortsvorsteherin.

Doch es müssen nicht immer die großen Dinge sein: So ist Rittmannshausen dank der Landfrauen das ganze Jahr über auffällig gepflegt. Zurzeit bepflanzen sie Blumenbeete – natürlich ehrenamtlich.

Von Emily Spanel

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