Der Umsatz blieb weg: Beate Ronshausen schließt zum Jahresende Dorfladen Datterode

„Es tut mir im Herzen weh“

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Auf das, was noch im Laden steht, gibt Beate Ronshausen Prozente. Foto: Bettinger

Datterode. Sie hat es noch mit der Halbierung der Öffnungszeiten probiert, jetzt ist endgültig Schluss: Am Samstag, 22. Dezember, schließt Beate Ronshausen ihren kleinen Dorfladen an der Durchfahrtsstraße von Datterode für immer. „Es lohnt sich nicht mehr“, sagt sie traurig.

Mit den Tränen kämpfend erinnert sich die 55-Jährige an die 31 Jahre mit ihrem Laden. Er befindet sich im Erdgeschoss des Wohnhauses der Ronshausens, quasi mitten im Familienleben. Vom Verkaufsbereich gelangt man direkt in den Wohnraum.

Es war ein Quelle-Vertreter, der ihr vor über 30 Jahren vorgeschlagen hat, die Garage in einen Laden umzubauen. Tor weg, Fensterglas rein: Am 30. Oktober 1981 feierte Beate Ronshausen Eröffnung. Die ganze Palette Quelles gab es in dem Laden zu kaufen, besonders die Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen und Fernseher liefen gut. Was nicht vorrätig war, wurde bestellt.

„Der Laden ist mein Lebensmittelpunkt.“

Für die Datteröder war die Ladenbesitzerin fortan nur noch die „Quelle-Beate“. Selbst als das Versandunternehmen längst pleite und dessen Waren nicht mehr erhältlich waren, blieb es für die Kunden der „Quelle-Shop“.

Laut schrillend meldet die Türglocke jeden neuen Kunden. Doch in jüngster Zeit war das immer seltener der Fall. „Schon als Quelle und mit ihm die Deutsche Post aus dem Laden gingen, kamen merklich weniger Kunden“, erinnert sich Beate Ronshausen an den ersten großen Einschnitt von vor drei Jahren.

Viele ihrer Kollegen gaben damals ihren Laden auf. Ronshausen nicht: „Ich brauchte keine Miete zu zahlen, nur Heizung und Strom. Das ging“, sagt sie. Doch mit dem Wechsel von Quelle zum Katalogversand Otto verlor sie weitere Kunden.

„Es hatte sich alles geändert“, nennt sie den Grund. Beate Ronshausen fungierte nur mehr als Sammelbestellerin. Etwas vor Ort im Laden anschauen konnten die Kunden kaum noch.

Auch der Service sei nicht mehr so gut gewesen, sagt Ronshausen. Mit Quelle hatte sie einen Vertrag, dass ihr Mann, von Beruf Elektromeister, die Geräte auch außerhalb der Garantie noch unentgeltlich reparieren durfte.

Auf eigene Kosten erweiterte Ronshausen ihr Sortiment um Geschenkeartikel, Kurzwaren und Handgemachtes von den Landfrauen. Das lief. Und reichte trotzdem nicht. „Otto verlangt für die Provision einen Mindestumsatz, den ich nur selten erreicht habe“, klagt Ronshausen. Am Ende fast jeden Monats war klar: Sie hatte umsonst gearbeitet. Eher sogar draufgezahlt. „Es tut mir im Herzen weh, den Laden aufzugeben, aber so kann es nicht weitergehen“, sagt sie.

Jedes Lädchen auf dem Land, das verschwindet, sei eine Einschränkung für die Bürger, bedauert Ringgau-Chef Klaus Fissmann die bevorstehende Schließung.

Von Stefanie Bettinger

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