Mord ohne Sühne

Aus dem Archiv: Julius Rothschild aus Netra wurde 1934 brutal getötet

Erinnerung: Julius Rothschild (rechts) mit seinem Bruder Ludwig. Das Foto entstand um 1930. Foto: privat

Netra/Mihla. Einen ungesühnten Mord hat Ortschronist Rainer Lämmerhirt aus Mihla in Thüringen im Archiv gefunden. Damals starb der jüdische Kaufmann Julius Rothschild durch ein brutales Verbrechen.

Julius Rothschild stammte aus der jüdischen Kaufmannsfamilie Rothschild und betrieb im Jahr 1934 eine Filiale seines Textilkaufhauses in Mihla an der Werra in Thüringen. Der Mihlaer Kaufmann Arno Hotze kümmerte sich vor Ort um das Geschäft. Einmal im Monat reiste Julius Rothschild, der am 21. Mai 1888 in Netra geboren wurdenach Mihla, um dort Abrechnungen zu bearbeiten und um nach dem rechten zu sehen. An solchen Tagen schlief er meist im Gasthof „Zum Schwan“, der gleich neben dem Laden lag.

In Mihla nahm nach der Machtergreifung Hitlers die antijüdische Stimmung rasch zu. Führende Nazis im Ort, der Ortsgruppenleiter und Führer der Sturmabteilung wetterten offen gegen das einzige jüdische Geschäft in Mihla. Am 15. März hielt sich Julius Rothschild erneut in Mihla auf. Nachdem Abschluss der Geschäfte wollte er im Gasthof „Zum Schwan“ übernachten. Sein Auto hatte er wie immer unweit des Gasthofes abgestellt. In dieser Nacht überfielen fünf Mihlaer Nazis, die diese Tat untereinander abgesprochen hatten, unter Beihilfe der Wirtin den ahnungslosen Schlafenden und schlugen ihn so, dass er blutüberströmt zusammenbrach. Die Reifen seines Autos wurden zerstochen.

Ein Anruf in Netra führte dazu, dass die Familie den schwer verletzten Kaufmann abholen konnte. Doch aufgrund seiner schweren Verletzungen überlebte Julius Rothschild nicht und starb acht Tage später im Eschweger Krankenhaus.

Die Mihlaer Nazis, die sich dieser Tat auch öffentlich rühmten, wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Auch nicht, als die Naziherrschaft 1945 zusammengebrochen war. (red/kie)

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