Einrichtung in Datterode ermöglicht Berufsausbildung

Zweite Chance für straffällig gewordene Jugendliche

Eigenes Tonstudio: In den Räumen der Jugendhilfeeinrichtung Datterode betreiben die durchgängig betreuten Männer sogar einen Internetradiosender. CoLab-Geschäftsführer Thomas Friedrich (links) und IT-Ausbilder Mateusz Glinka legen bei der gemeinsamen Arbeit mit ihren Schützlingen viel Wert auf Technik, Musik und Neue Medien. Foto: Spanel

Datterode. Gewalt, Drogen und Rastlosigkeit haben die Bewohner der historischen Wassermühle in Datterode geprägt. Viele haben lange Haftstrafen hinter sich, waren obdachlos und hatten komplett den Boden unter den Füßen verloren. Als „entgleist“ beschreibt Thomas Friedrich, Geschäftsführer der Jugendhilfeeinrichtung CoLab, die den Standort in Datterode betreibt, das Leben der jungen Menschen. Aus dem Mund des engagierten Sozialpädagogen klingt das komplett vorurteilsfrei.

Seit nunmehr fünf Jahren nehmen sich Friedrich und sein siebenköpfiges Betreuerteam der Jugendlichen aus Nordhessen, Thüringen und Rheinland-Pfalz in Datterode an - mit beeindruckendem Erfolg. „Wo andere Einrichtungen aufgeben, bilden wir aus“, sagt Friedrich. „Wir glauben an unsere Jugendlichen und kämpfen um jeden Einzelnen.“ Gearbeitet werde mit jungen Männern bis zu 25 Jahren, die sonst keine Chance mehr auf ein selbstbestimmtes Leben und einen Einstieg ins Berufsleben hätten. „Die einzigen Bedingungen, die wir an unsere Schützlinge stellen, sind Ehrlichkeit und der Wille zur Veränderung“, sagt Friedrich.

In der historischen Wassermühle in Datterode leben die jungen Erwachsenen, die entweder von den jeweiligen Jugendämtern an CoLab vermittelt werden oder aus Eigeninitiative dazustoßen, zu viert in einer Gruppe. Überschritten würde diese Zahl laut Friedrich nicht, um die Dynamik innerhalb der Gemeinschaft nicht kippen zu lassen.

CoLab will weiter expandieren

Nach dem erfolgreichen Start in Datterode plant die CoLab-Jugendhilfe, die ihren Sitz in Speyer (Rheinland-Pfalz) hat, einen weiteren Standort im Ringgau aufzubauen. Ein geeignetes Objekt scheint bereits gefunden. In einem bislang leerstehenden Gebäude in Rittmannshausen soll nach dem Vorbild Datterodes eine Mädchengruppe untergebracht werden. Auch sie sollen sozialpädagogisch betreut sowie in Hinblick auf eine berufliche Orientierung und Ausbildung gefördert werden.

CoLab ist eine gemeinnützige GmbH, die sich durch öffentliche Gelder, Spenden und eigene Wertschöpfungen, wie etwa Reparaturdienste, finanziert. (esp)

Dafür entstehen familienähnliche Strukturen: „Die Jugendlichen erfahren meist zum ersten Mal Beständigkeit - regelmäßiges Aufstehen oder gemeinsame, selbst zubereitete Mahlzeiten zu festgelegten Zeiten gehören dazu“, erklärt Friedrich. Für die sozialpädagogische Arbeit sei die Umgebung des ländlich geprägten Datterodes ideal. „Die Jugendlichen werden aus ihrer gewohnten Umgebung herausgelöst und finden zur Ruhe“, sagt der Sozialpädagoge, der auch ein Kompliment an die Nachbarschaft ausspricht. Probleme beim Zusammen habe es trotz der vielen möglichen Vorurteile nie gegeben. Im Gegenteil: „Die Datteröder haben sich von Anfang an aufgeschlossen und interessiert gezeigt“.

Seien die Jugendlichen stabilisiert, beginne die zweite Phase: eine duale fachliche Ausbildung in Medien- und IT-Berufen. Daneben restaurieren die Jugendlichen die Wassermühle - sämtliche Handwerksleistungen werden von ihnen in Eigenregie erledigt. „Immer mehr Jugendliche entscheiden sich nach Abschluss des Programms, im Ringgau Fuß zu fassen“, sagt Friedrich. Einer habe erst kürzlich eine Ausbildung in einem lokalen Bäckereibetrieb begonnen.

Von Emily Spanel  

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