Alles aus der Erinnerung

93-jährige Hildegard Ziesemer verfasst Chronik Sontras

Hoffen auf Unterstützung: Hildegard Ziesemer hat Bürgermeister Thomas Eckhardt um Hilfe bei der Veröffentlichung ihrer Chronik gebeten. Foto: Deppe

Sontra. Hildegard Ziesemer hat schon immer in Sontra gewohnt. Seit vergangenem Samstag sind es 93 Jahre. Immer im gleichen Haus an der Niederstadt. Während diese Eckpfeiler ihres Lebens stets die gleichen blieben, veränderte sich die Stadt um sie herum. In den letzten Jahren hat Ziesemer rückblickend eine Chronik verfasst – mit der Geschichte Sontras, so wie sie sie wahrgenommen hat.

„Die jungen Leute heute sollen doch auch mal wissen, wie es früher gewesen ist“, sagt Ziesemer. Deswegen habe sie auch einfach alles aufgeschrieben, was sie seit ihrer Kindheit erlebt habe. Angefangen mit einer Beschreibung Sontras in den 20er-Jahren, „als man noch problemlos auf der Straße spielen konnte, weil es keine Autos gab“. Abgesehen von dem des Dr. Nickel. „Wenn das dann mal vorbeifuhr, war das etwas ganz Besonderes“, erinnert sich Ziesemer.

Doch ihr Buch soll keine Autobiografie sein. Ziesemer schildert zwar eigene Eindrücke und bis auf wenige Ausnahmen alles aus ihrer Erinnerung, doch zeichnet sie vor allem ein Bild der ehemaligen Bergbaustadt im Wandel der Zeit. Sie zeichnet dabei Bilder der ehemaligen Schnapsbrennerei und der Kettenfabrik, schreibt über Katastrophen wie Hochwasser und einen Flugzeugabsturz und natürlich über die Wirtschaft, die Sontra lange geprägt hat: den Kupferschiefer-Bergbau.

Ihre Texte werden gestützt von zahlreichen historischen Fotos, auch die fast ausnahmslos selbst geschossen. „Ich dachte hin, ich dachte her, was alles so zu fotografieren wär“, heißt es in einem Gedicht, das Ziesemer als Prolog für eines ihrer über 80 Fotoalben mit Bildern aus Sontra verfasst hat. Und sie fotografierte alles. Noch 2001 zog sie los und fotografierte jede Straße in der Kernstadt.

Was jetzt noch fehlt, ist das Geld, um die Erstauflage – geplant sind zunächst 500 Stück – zu finanzieren. Nachdem Ziesemer Bürgermeister Thomas Eckhardt um Hilfe gebeten hatte, holte der bereits bei einem Verlag ein erstes Angebot ein. Von dem gab es wiederum Lob, die eingereichten Seiten müsse man kaum noch bearbeiten. Bei der digitalen Erfassung der handgeschriebenen Seiten hat Ziesemers Schwiegersohn geholfen.

Mit der Geschichte wolle sie es jetzt gut sein lassen, sagt die Rentnerin. „Ich schreibe jetzt lieber noch ein paar Gedichte.“ Außerdem wolle sie sich jetzt mehr ihren anderen Hobbys widmen. Sie spielt Zither und Keyboard. Beides hat sie sich selbst beigebracht. Zu ihrem Geburtstag in der vergangenen Woche hat sie sich so selbst ein Ständchen spielen können. Zeit zum Üben habe sie aber noch genug. Denn dass sie 100 Jahre alt wird, daran hegt sie keinen Zweifel.

Hildegard Ziesemer und Thomas Eckhardt suchen Unterstützung, um die Chronik zu veröffentlichen. Firmen und Privatleute, die helfen, werden im Buch erwähnt. Kontakt unter 0 56 53/93 77 10 oder per E-Mail an thomas.eckhardt@sontra.de.

Von Lasse Deppe

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