Der ehemalige Bundestrainer kritisiert Chaos und mangelnden Teamgeist im deutschen Skilangläufer-Kader

Behle blickt hinter die Kulissen

Echte Sportsfreunde: von links WR-Sportredakteuer Harald Triller, TSV-Vorsitzender Uwe Bartholmai, Skilangläufer Jochen Behle und TSV-Vorstandsmitglied Guido Schilling. Foto: Salewski

Wichmannshausen. Die berühmten drei Worte wird er einfach nicht mehr los: Als Skilangläufer Jochen Behle 1980 bei den Olympischen Spielen in Lake Placid nach der ersten Zwischenzeit führte, aber nicht im Bild gezeigt wurde, fragte ZDF-Reporter Bruno Moravetz immer wieder verzweifelt „Wo ist Behle?“.

Am Mittwochabend war das allerdings keine Frage, schließlich wussten ja alle, wo Behle war: Nämlich als Ehrengast beim TSV Wichmannshausen, der in diesen Tagen mit verschiedenen Veranstaltungen sein 100-jähriges Jubiläum feiert. Das Gespräch mit dem Spitzensportler, der zehn Jahre lang als Bundestrainer und Fernsehsportexperte gearbeitet hat, war ein weiterer Höhepunkt der Sportwoche.

WR-Sportredakteur Harald Triller und TSV-Vorstandsmitglied Guido Schilling hatten den Abend mit Jochen Behle locker und unterhaltsam moderiert und ihm mit ihren interessanten Fragen so einige spannende Aussagen entlockt: So habe die berühmte Biathletin Magdalena Neuner, die er genau wie alle anderen Athleten aus den Kadern des deutschen Skiverbandes gut kennt, bei den Olympischen Spielen in Vancouver nicht freiwillig auf ihren Start in der Staffel verzichtet habe.

„Da gab es im Hintergrund viele Probleme mit ihren Teamkolleginnen, die ihr den Erfolg nicht alle unbedingt gegönnt haben“, so Jochen Behle, „ich rechne ihr unheimlich hoch an, dass sie das in der Öffentlichkeit nicht breit getreten hat.“ Auch zu seinem Rückzug als Bundestrainer der Skilangläufer im vergangenen Jahr äußerte er sich noch einmal: „Für mich war der Punkt erreicht, an dem ich das Gefühl hatte, als Trainer nichts mehr bewegen zu können“, erzählte der Sportler, der sich nun im hessischen und westdeutschen Skiverband um die Jugendarbeit kümmert, „genau darum geht es aber und deswegen habe ich den Job an den Nagel gehängt.“

Außerdem kritisierte er den mangelnden Teamgeist im Kader und sprach auch von einer im Vergleich mit anderen Nationen defizitären finanziellen und personellen Ausstattung im deutschen Skiverband: „Die Norweger kommen mit 40 Technikern zum Wettkampf, wir gerade mal mit acht“, meinte Behle, der während der Diskussion auch deutlich machte, dass er gegen jedes Doping ist. Die Neubesetzung der Bundestrainerstelle mit Frank Ullrich findet er ebenfalls „nicht glücklich“, wie er sagte, „ich habe noch nie so ein Chaos in den Kadern erlebt, wie jetzt.“

Schließlich hatte er auch noch einen Tipp zum Thema Zickenkrieg im Team parat: „Die Mädels müssen für in ein Doppelzimmer gesteckt werden“, sagte er, „dann renkt sich das schon wieder ein.“

Von Melanie Salewski

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